Uta Baranovskyy + ChatGPT
Mentalpulsation – Die Progression
Bedeutung, Bewusstwerdung und die Entfaltung des Selbstbezugs
Vorbemerkung
- Der eigentliche Fortschritt
- Progression als universelles Entwicklungsprinzip
- Bedeutung als Grundprinzip des Daseins
- Die Progression der Bedeutung
- Selbstbezug
- Vom Selbstbezug zum Selbst-Bewusstsein
- Bewusstwerden
- Bedeutungsautonomie
- Mentalpulsation in neuem Verständnis
- Erlebensbewusstheit
- Lebendigkeit
- Die Vereinfachung der Begriffe
- Offene Forschungsfragen und Fazit
Vorbemerkung
Als ich den ersten Teil Mentalpulsation – Der Anfang abschloss, hatte ich das Gefühl, die Entstehungsgeschichte dieser Methode zunächst ausreichend beschrieben zu haben. Der lange Weg vom positiven Denken über die Progressive mental-komplex Harmonisierung, das paradoxe Denken, die Entwicklung der Bloomyy-Übungen bis hin zur Mentalpulsation war nachvollziehbar geworden. Ebenso die ersten Beobachtungen, die sich während der Anwendung ergaben.
Eigentlich hätte die Geschichte damit zunächst beendet sein können.
Doch genau das Gegenteil geschah.
Während der täglichen Anwendung der Mentalpulsation entstanden immer neue Beobachtungen. Nicht die Methode selbst veränderte sich, sondern mein Verständnis dessen, was sie möglicherweise bewirkt. Viele Erscheinungen, die ich zunächst als einzelne Erfahrungen betrachtete, begannen sich miteinander zu verbinden.
Frühere Erkenntnisse aus Jahrzehnten eigener Forschung erhielten plötzlich einen neuen Zusammenhang. Manche Gedanken, die ich lange nur ahnend in Bildern ausdrücken konnte, ließen sich nun erstmals sprachlich klarer formulieren.
Mir wurde zunehmend bewusst, dass die eigentliche Forschung möglicherweise erst jetzt beginnt.
Im ersten Teil stand die Frage im Mittelpunkt, wie die Mentalpulsation entstand und worin ihr Aufbau besteht. Diese zweite Schrift beschäftigt sich mit einer anderen Frage:
Was verändert sich möglicherweise durch Mentalpulsation – und was wird dadurch überhaupt erst bewusst?
Im Mittelpunkt stehen daher nicht fertige Antworten, sondern neue Beobachtungen, Hypothesen und Zusammenhänge. Viele davon beruhen auf jahrzehntelanger Selbstbeobachtung, andere entstanden erst während der kontinuierlichen Anwendung der Mentalpulsation. Immer deutlicher zeigte sich, dass Begriffe wie Bedeutung, Bewusstwerdung, Selbstbezug und Lebendigkeit möglicherweise enger miteinander verbunden sind, als ich zunächst vermutet hatte.
Dabei entstand auch ein neuer Leitgedanke.
Die Roraytik sucht nicht nach immer neuen Begriffen für immer neue Erscheinungen. Sie versucht vielmehr, die einfachsten Grunderscheinungen zu erkennen, aus denen sich die Vielfalt der Welt progressiv entfaltet. Nicht die Komplexität steht am Anfang, sondern die Einfachheit. Aus ihr entstehen durch fortschreitende Differenzierung immer neue Formen, Strukturen, Bedeutungen und schließlich auch das, was wir beim Menschen Selbst-Bewusstsein nennen.
Diese Schrift versteht sich deshalb nicht als Abschluss, sondern als Zwischenstand einer fortlaufenden Forschung. Viele Überlegungen befinden sich noch im Stadium der Arbeitshypothese. Manche werden sich im Laufe der Zeit vermutlich verändern, andere möglicherweise bestätigen. Genau darin besteht Forschung: Beobachtungen ernst zu nehmen, sie einzuordnen, kritisch zu prüfen und offen zu bleiben für neue Erkenntnisse.
Vielleicht beschreibt dieses Buch deshalb weniger eine Methode als einen Entwicklungsweg – den Versuch, besser zu verstehen, wie Bedeutung entsteht, wie Bewusstwerdung wächst und wie sich aus einfachen Grundstrukturen nach und nach immer größere Möglichkeiten der Selbstgestaltung entfalten können.
1. Der eigentliche Fortschritt
Was sich nach den ersten Monaten veränderte
Als ich mit der Mentalpulsation begann, erwartete ich zunächst Veränderungen, die sich möglichst deutlich beobachten lassen würden. Ich hoffte auf mehr innere Beweglichkeit, auf Veränderungen im Denken, vielleicht auch auf körperliche Auswirkungen. Wie schnell oder in welcher Form solche Veränderungen auftreten könnten, wusste ich nicht. Dafür gab es keinerlei Erfahrungen.
Nach einigen Monaten kontinuierlicher Anwendung zeigte sich etwas Unerwartetes.
Die Methode selbst hatte sich nicht verändert. Die Begriffspaare, der rhythmische Wechsel zwischen den Polen und die tägliche Durchführung blieben im Wesentlichen gleich. Verändert hatte sich jedoch mein Verständnis dessen, was während der Mentalpulsation möglicherweise geschieht.
Zunächst waren es einzelne Beobachtungen. Manche betrafen den Schlaf, andere das Zeiterleben, wieder andere den Umgang mit belastenden Gedanken oder alltäglichen Situationen. Für sich genommen wirkten diese Veränderungen unscheinbar. Erst nach und nach entstand der Eindruck, dass sie miteinander zusammenhängen könnten.
Dabei fiel mir auf, dass sich die eigentliche Entwicklung möglicherweise weniger in spektakulären Ergebnissen zeigt als in einer zunehmenden Bewusstwerdung eigener innerer Vorgänge.
Immer häufiger erkannte ich Zusammenhänge, die mir zuvor zwar bereits begegnet waren, die ich jedoch nicht miteinander in Verbindung gebracht hatte. Frühere Erkenntnisse aus der Entwicklung der Bloomyy-Übungen, aus dem paradoxen Denken, aus der Gesichtsgymnastik oder aus der langjährigen Beschäftigung mit Sprache und Bedeutung begannen sich plötzlich zu einem größeren Gesamtbild zusammenzufügen.
Der Fortschritt bestand daher zunächst nicht in einer neuen Methode.
Der Fortschritt bestand im besseren Verständnis der bereits vorhandenen Methode.
Vom Anwenden zum Forschen
Mit dieser Veränderung wandelte sich auch meine eigene Haltung.
Anfangs stand die Anwendung der Mentalpulsation im Vordergrund. Ich wollte beobachten, ob und welche Veränderungen entstehen. Mit der Zeit verschob sich mein Interesse jedoch immer stärker auf die Frage, warum bestimmte Veränderungen auftreten könnten und welche allgemeinen Prinzipien sich dahinter verbergen.
Aus dem Anwenden wurde zunehmend Forschen.
Ich begann, alltägliche Situationen bewusster wahrzunehmen und nicht sofort zu bewerten. Kleine Veränderungen erschienen plötzlich interessant, weil sie möglicherweise Hinweise auf größere Zusammenhänge enthielten. Dabei rückte nicht mehr das Erreichen eines bestimmten Zieles in den Mittelpunkt, sondern das aufmerksame Beobachten des eigenen Erlebens.
Je genauer ich hinsah, desto deutlicher wurde mir, dass Fortschritt zunächst nicht bedeutet, sich zu verändern.
Fortschritt bedeutet zunächst, bewusster wahrzunehmen.
Erst was bewusst geworden ist, kann verstanden werden. Erst was verstanden wurde, kann – wenn überhaupt – bewusst beeinflusst werden.
In diesem Sinne erwies sich die Bewusstwerdung selbst als der erste und vielleicht wichtigste Fortschritt der Mentalpulsation.
2. Progression als universelles Entwicklungsprinzip
Warum sich alles entwickelt
Eine der grundlegenden Fragen, die mich seit vielen Jahrzehnten begleitet, lautet:
Warum entwickelt sich überhaupt etwas?
Die Natur hätte ebenso gut aus sich ständig wiederholenden, unveränderlichen Abläufen bestehen können. Ein Universum, das lediglich zwischen zwei Zuständen hin und her schwingt, wäre durchaus vorstellbar. Doch genau das beobachten wir nicht.
Stattdessen zeigt sich überall eine fortschreitende Differenzierung.
Aus einfachen Strukturen entstehen komplexere. Aus wenigen Möglichkeiten entwickeln sich immer vielfältigere Erscheinungsformen. Aus zunächst kaum unterscheidbaren Zuständen entstehen individuelle Formen mit eigenen Eigenschaften und Beziehungen.
Diese fortschreitende Entfaltung bezeichne ich als Progression.
Progression bedeutet dabei nicht zwangsläufig Fortschritt im menschlichen Sinn. Sie beschreibt zunächst lediglich die Entwicklung von einer Möglichkeit zu einer immer stärker differenzierten Erscheinungsform.
Eine Eichel enthält bereits das Potenzial einer Eiche. Dennoch ist die Eiche nicht von Anfang an vorhanden. Sie entfaltet sich Schritt für Schritt im Laufe ihrer Entwicklung. Ähnlich verhält es sich mit nahezu allen natürlichen Prozessen. Das Mögliche geht dem Wirklichen voraus.
Aus roraytischer Sicht scheint dieses Prinzip nicht nur für Lebewesen zu gelten, sondern für das gesamte Dasein.
Entwicklung bedeutet deshalb nicht, dass ständig etwas völlig Neues entsteht.
Entwicklung bedeutet vielmehr, dass bereits vorhandene Möglichkeiten nach und nach sichtbar werden.
Die Progression der Nullschwingung
Innerhalb der Roraytik beginnt jede Entwicklung mit der Nullschwingung.
Die Nullschwingung ist dabei kein leerer Raum und kein Nichts im umgangssprachlichen Sinn. Sie stellt vielmehr den Zustand dar, in dem noch keine unterscheidbaren Erscheinungen vorhanden sind. Alle Möglichkeiten sind enthalten, aber noch nicht differenziert.
Mit der ersten Differenz beginnt die Progression.
Aus der ununterscheidbaren Möglichkeit entsteht erstmals Unterschied. Aus diesem Unterschied entwickeln sich Polarität und Spannung. Zwischen den Polen entsteht Schwingung. Durch fortlaufende Schwingung bilden sich stabile Strukturen, aus denen wiederum immer neue Differenzierungen hervorgehen.
In vereinfachter Form lässt sich dieser Entwicklungsweg so beschreiben:
Potenzial → Differenz → Polarität → Schwingung → Struktur → Entwicklung
Jede neue Entwicklungsstufe baut dabei auf den vorhergehenden auf. Nichts erscheint plötzlich aus dem Nichts. Vielmehr entfaltet sich das bereits Vorhandene in immer neuen Organisationsformen.
Aus dieser Sicht ist Entwicklung kein zufälliges Nebeneinander einzelner Ereignisse, sondern ein fortlaufender Differenzierungsprozess.
Progression als gemeinsames Prinzip
Je länger ich mich mit der Mentalpulsation beschäftigte, desto deutlicher wurde mir, dass sich das Prinzip der Progression offenbar nicht auf materielle Strukturen beschränkt.
Nicht nur Atome, Moleküle, Organismen oder Gehirne entwickeln sich.
Auch andere Erscheinungen scheinen einem vergleichbaren Entwicklungsprinzip zu folgen.
So differenziert sich Bedeutung von einfachen existenziellen Reaktionen bis hin zu komplexen sprachlichen Begriffssystemen. Kommunikation entwickelt sich von elementaren Wechselwirkungen bis zur menschlichen Sprache. Aus einfachen Formen des Selbstbezugs entsteht im Laufe der Entwicklung schließlich das menschliche Selbst-Bewusstsein. Ebenso erweitern sich Kreativität und Gestaltungsmöglichkeiten mit zunehmender Differenzierung.
Aus roraytischer Sicht könnte Progression daher ein universelles Organisationsprinzip darstellen.
Nicht Materie allein entwickelt sich.
Ebenso entwickeln sich Bedeutung, Kommunikation, Selbstbezug, Bewusstsein und Kreativität. Sie erscheinen nicht plötzlich auf einer bestimmten Entwicklungsstufe, sondern entfalten sich – ebenso wie alle anderen Erscheinungen – schrittweise aus einem gemeinsamen Ursprung.
Ob sich diese Sichtweise künftig wissenschaftlich bestätigen lässt, bleibt offen. Als Arbeitshypothese besitzt sie jedoch den Vorteil, sehr unterschiedliche Entwicklungsprozesse innerhalb einer gemeinsamen Grundstruktur beschreiben zu können.
Vielleicht liegt gerade darin ihre eigentliche Stärke.
3. Bedeutung als Grundprinzip des Daseins
Bedeutung beginnt nicht mit dem Menschen
Der Begriff Bedeutung wird gewöhnlich mit Sprache, Denken oder menschlichem Bewusstsein verbunden. Im Alltag erscheint dies selbstverständlich. Worte besitzen Bedeutung, Bilder rufen Bedeutungen hervor, Erfahrungen werden bedeutungsvoll erlebt.
Aus roraytischer Sicht beginnt Bedeutung jedoch wesentlich früher.
Bedeutung entsteht nicht erst mit dem Menschen und nicht erst mit der Sprache. Sie entsteht bereits dort, wo erstmals eine unterscheidbare Veränderung auftritt. Mit der ersten Differenz entsteht zugleich die erste Form von Bedeutung.
Damit erhält Bedeutung eine grundlegend andere Definition.
Sie ist zunächst weder sprachlich noch psychologisch.
Sie ist eine elementare Eigenschaft des Daseins.
Die erste Bedeutung
Aus der Nullschwingung entsteht durch die erste Differenz eine Polarität.
Diese Polarität besitzt zwei grundlegende Bewegungsrichtungen:
- Zusammenziehen
- Ausdehnen
Noch handelt es sich dabei weder um Gut und Böse noch um angenehm oder unangenehm. Ebenso wenig geht es bereits um Gefühle oder Gedanken.
Zusammenziehen und Ausdehnen beschreiben zunächst ausschließlich unterschiedliche Richtungen der Veränderung.
Das Zusammenziehen führt zur Verdichtung, Konzentration und Begrenzung.
Das Ausdehnen ermöglicht Öffnung, Entfaltung und Verbindung.
Erst durch diese beiden Bewegungsrichtungen entsteht überhaupt eine wahrnehmbare Veränderung.
Aus roraytischer Sicht bildet diese erste Polarität die einfachste Form von Bedeutung.
Bedeutung als Bewegungsrichtung
In dieser ursprünglichen Form besitzt Bedeutung noch keinerlei Bewertung.
Es gibt noch kein:
- richtig oder falsch,
- gut oder schlecht,
- angenehm oder unangenehm.
Ebenso existieren noch keine Gefühle wie Angst, Freude oder Schmerz.
Auch Sprache ist noch nicht entstanden.
Bedeutung beschreibt auf dieser Ebene ausschließlich die Richtung einer Veränderung innerhalb einer Schwingung.
Zusammenziehen und Ausdehnen bilden damit die einfachste denkbare Form von Orientierung.
Sie ermöglichen erstmals Unterschied.
Ohne Unterschied gibt es keine Veränderung.
Ohne Veränderung entsteht keine Struktur.
Und ohne Struktur kann keine weitere Entwicklung stattfinden.
Bedeutung erscheint damit nicht als nachträgliche Eigenschaft der Welt, sondern als Voraussetzung ihrer Differenzierung.
Bedeutung als Ursprung aller Kommunikation
Wo Bedeutung entsteht, beginnt zugleich Kommunikation.
Kommunikation wird dabei nicht auf Sprache reduziert. Sie bezeichnet jede Wechselwirkung zwischen zwei unterscheidbaren Zuständen oder Individuen.
Bereits die erste Differenz setzt eine gegenseitige Beziehung voraus. Zusammenziehen und Ausdehnen beeinflussen sich wechselseitig und bilden dadurch eine rhythmische Ordnung. Aus dieser Ordnung entstehen Bindung und Trennung, Annäherung und Entfernung, Stabilität und Veränderung.
Je weiter sich die Progression entfaltet, desto vielfältiger werden auch die Formen der Kommunikation.
Atome bilden Bindungen.
Moleküle reagieren aufeinander.
Zellen tauschen Stoffe und Signale aus.
Organismen koordinieren ihre inneren Systeme.
Tiere kommunizieren über Körperhaltung, Gerüche, Laute oder Bewegungen.
Der Mensch entwickelt zusätzlich Sprache, Begriffe und abstraktes Denken.
Alle diese Erscheinungsformen unterscheiden sich in ihrer Komplexität. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie auf derselben grundlegenden Struktur beruhen:
Bedeutung erzeugt Beziehung.
Beziehung ermöglicht Kommunikation.
Kommunikation eröffnet weitere Differenzierung.
In diesem Sinne erscheint Kommunikation nicht als spätes Produkt der Evolution, sondern als fortschreitende Entfaltung eines bereits mit der ersten Differenz angelegten Grundprinzips des Daseins.
4. Die Progression der Bedeutung
Nachdem Bedeutung als grundlegende Bewegungsrichtung des Daseins verstanden wurde, stellt sich die nächste Frage:
Wie entwickelt sich Bedeutung weiter?
Aus roraytischer Sicht bleibt Bedeutung nicht auf ihrer einfachsten Form des Zusammenziehens und Ausdehnens stehen. Wie alle anderen Erscheinungen folgt auch sie dem Prinzip der Progression. Mit zunehmender Differenzierung entstehen immer komplexere Organisationsformen, die auf den einfacheren aufbauen, ohne diese aufzuheben.
So entwickelt sich Bedeutung schrittweise von einer elementaren existenziellen Orientierung bis hin zum bewussten menschlichen Denken.
Organische Bedeutung
Die einfachste organisierte Bedeutung dient der Erhaltung des individuellen Daseins.
Jeder Organismus muss fortlaufend zwischen Zuständen unterscheiden, die seine Existenz sichern oder gefährden. Ohne diese Fähigkeit wäre Leben nicht möglich.
Zu den grundlegenden organischen Bedeutungen gehören unter anderem:
- Nahrung und Hunger,
- Atmung und Sauerstoffversorgung,
- Energiegewinnung,
- Schutz vor Schädigung,
- Erhaltung der körperlichen Integrität.
Diese Prozesse laufen überwiegend autonom ab. Sie benötigen keine Sprache und kein bewusstes Nachdenken. Dennoch besitzen sie für den Organismus höchste Bedeutung, weil sie unmittelbar mit seiner Existenz verbunden sind.
Aus roraytischer Sicht bilden sie die erste organisierte Ebene der Bedeutung.
Emotionale Bedeutung
Mit zunehmender Entwicklung entstehen weitere Formen von Bedeutung. Der Organismus reagiert nun nicht mehr ausschließlich auf unmittelbare Existenzbedingungen, sondern auch auf Beziehungen. Nähe und Distanz erhalten Bedeutung. Bindung und Trennung werden bedeutsam.
Aus einfachen Annäherungs- und Vermeidungsbewegungen entwickeln sich zunehmend differenzierte emotionale Muster.
Dazu gehören beispielsweise:
- Angst,
- Freude,
- Bindung,
- Vertrauen,
- Ablehnung,
- Neugier,
Diese emotionale Bedeutungsebene erweitert die Möglichkeiten des Organismus erheblich. Sie erleichtert Orientierung innerhalb sozialer Beziehungen und unterstützt damit ebenfalls die langfristige Existenzsicherung des Individuums und seiner Art.
Emotionen erscheinen aus dieser Sicht nicht als Gegensatz zur organischen Regulation, sondern als deren fortschreitende Differenzierung.
Mentale Bedeutung
Beim Menschen entwickelt sich eine weitere Ebene.
Bedeutungen können nun sprachlich beschrieben, erinnert, verglichen und bewusst miteinander verknüpft werden.
Aus Bewegungen werden Begriffe.
Aus Erfahrungen entstehen Vorstellungen.
Aus Lauten entwickelt sich Sprache.
Damit erweitert sich die Progression der Bedeutung erneut.
Die mentale Ebene ermöglicht:
- Denken,
- Erinnern,
- Planen,
- Vergleichen,
- Vorstellen,
- sprachliches Ordnen.
Begriffe erschaffen Bedeutung jedoch nicht.
Sie machen bereits vorhandene Bedeutungen bewusst beschreibbar.
Die menschliche Sprache erscheint damit als eine hochentwickelte Organisationsform der darunterliegenden Bedeutungsstrukturen.
Bewusst reflektierte Bedeutung
Mit der sprachlichen Ebene endet die Entwicklung nicht.
Der Mensch besitzt die Möglichkeit, seine eigenen Bedeutungen selbst zum Gegenstand der Beobachtung zu machen.
Er kann erkennen,
warum ihn bestimmte Situationen berühren,
warum einzelne Begriffe starke Gefühle auslösen,
warum sich manche Verhaltensmuster ständig wiederholen.
Damit entsteht eine weitere Differenzierung der Bedeutung.
Sie wird nicht nur erlebt.
Sie wird beobachtet.
Sie wird eingeordnet.
Und sie kann – zumindest teilweise – bewusst beeinflusst werden.
Aus roraytischer Sicht stellt diese Fähigkeit keinen grundsätzlich neuen Ursprung dar. Sie bildet vielmehr die bislang höchste bekannte Progressionsstufe derselben Grundstruktur, die bereits mit der ersten Differenz begann.
So entsteht eine durchgehende Entwicklungslinie:
Die elementare Bedeutung organisiert das Dasein.
Die emotionale Bedeutung erweitert die Beziehungen.
Die mentale Bedeutung beschreibt die Welt.
Die bewusst reflektierte Bedeutung ermöglicht schließlich, die eigenen Bedeutungen selbst zum Gegenstand der Erkenntnis zu machen.
Gerade an diesem Punkt setzt die weitere Forschung zur Mentalpulsation an.
5. Selbstbezug
Nachdem sich Bedeutung als fortschreitendes Organisationsprinzip des Daseins beschreiben ließ, stellt sich eine weitere grundlegende Frage:
Worauf bezieht sich Bedeutung überhaupt? Aus roraytischer Sicht lautet die Antwort:
Sie bezieht sich immer auf ein Individuum. Damit tritt ein weiterer Grundbegriff in den Mittelpunkt: der Selbstbezug.
Die einfachste Form von Individualität
Mit der ersten Differenz entsteht nicht nur Bedeutung.
Es entsteht zugleich Individualität.
Wo etwas von anderem unterscheidbar wird, entsteht eine eigene Einheit mit einer eigenen Grenze, einer eigenen Struktur und einer eigenen Form des Daseins.
Diese Individualität muss sich erhalten.
Sie grenzt sich ab.
Sie verbindet sich.
Sie reagiert auf Veränderungen.
Sie organisiert sich.
All dies geschieht zunächst ohne Denken, ohne Sprache und ohne menschliches Bewusstsein.
Dennoch bezieht sich diese individuelle Einheit fortlaufend auf sich selbst.
Genau darin besteht der einfachste Selbstbezug.
Selbstbezug als Grunderscheinung
Der Begriff Selbstbezug unterscheidet sich bewusst vom Begriff Selbst-Bewusstsein.
Selbst-Bewusstsein beschreibt gewöhnlich die Fähigkeit des Menschen, sich selbst bewusst wahrzunehmen und über sich selbst nachzudenken.
Der Selbstbezug beginnt wesentlich früher.
Er bezeichnet die grundlegende Eigenschaft jedes Individuums, seine eigene Existenz aufrechtzuerhalten und sich gegenüber seiner Umwelt als eigenständige Einheit zu organisieren.
Selbstbezug bedeutet deshalb weder Persönlichkeit noch Ich-Erleben.
Er beschreibt die fortlaufende Beziehung eines Individuums zu seiner eigenen Existenz.
Aus roraytischer Sicht gehört dieser Selbstbezug bereits zu den grundlegenden Eigenschaften des Daseins.
Die Progression des Selbstbezugs
Wie alle Grunderscheinungen entwickelt sich auch der Selbstbezug progressiv.
Er erscheint nicht plötzlich beim Menschen.
Er beginnt mit der ersten Individualität und entfaltet sich im Verlauf der Entwicklung in immer komplexeren Organisationsformen.
In vereinfachter Form lässt sich diese Progression folgendermaßen darstellen:
Atom → Molekül → Zelle → Organismus → Tier → Mensch
Auf jeder dieser Entwicklungsstufen bleibt der Grundprozess derselbe.
Jedes Individuum erhält seine eigene Struktur.
Jedes grenzt sich gegenüber seiner Umgebung ab.
Jedes reagiert auf Veränderungen.
Jedes organisiert seine eigene Existenz.
Mit zunehmender Komplexität erweitern sich jedoch die Möglichkeiten dieses Selbstbezugs.
Aus einfachen physikalischen Organisationsformen entstehen biologische Regulationssysteme. Daraus entwickeln sich emotionale Beziehungen, später Sprache, Denken und schließlich das menschliche Selbst-Bewusstsein.
Das menschliche Selbst-Bewusstsein stellt aus roraytischer Sicht daher keinen völlig neuen Ursprung dar.
Es bildet die bislang höchste bekannte Differenzierungsstufe eines Selbstbezugs, der bereits mit der ersten Individualität beginnt.
So verbindet sich auch hier alles zu einer gemeinsamen Entwicklungslinie.
Nicht jedes Individuum besitzt dieselbe Form des Selbstbezugs.
Aber jedes Individuum besitzt Selbstbezug.
Die Unterschiede liegen nicht im Vorhandensein dieser Grunderscheinung, sondern in ihrer fortschreitenden Differenzierung.
Gerade darin zeigt sich erneut das Prinzip der Progression:
Nicht immer neue Grundstrukturen entstehen.
Vielmehr entfaltet dieselbe Grundstruktur im Laufe der Entwicklung immer neue Möglichkeiten ihrer Organisation.
7. Bewusstwerden
Aufmerksamkeit verändert Wahrnehmung
Bewusstwerden beginnt mit Aufmerksamkeit.
Solange Aufmerksamkeit fehlt, werden viele Erscheinungen zwar wahrgenommen, aber nicht wirklich erkannt. Sie gehören zum Alltag und erscheinen selbstverständlich. Erst wenn sich die Aufmerksamkeit gezielt auf einen bestimmten Bereich richtet, beginnt sich die Wahrnehmung zu verändern.
Dabei verändert sich zunächst nicht die Wirklichkeit. Verändert wird vielmehr die Fähigkeit, Unterschiede wahrzunehmen.
Aus einem allgemeinen Eindruck entstehen nach und nach einzelne Details. Was zuvor als Ganzes erschien, differenziert sich in seine einzelnen Bestandteile. Dadurch werden Zusammenhänge sichtbar, die vorher verborgen blieben.
Aus roraytischer Sicht stellt auch dies eine Form der Progression dar. Nicht die Welt wird komplexer. Die Wahrnehmung wird differenzierter.
Das Gesicht als Forschungsfeld
Die Entwicklung der Bloomyy-Übungen lieferte hierfür ein anschauliches Beispiel.
Fast jeder Mensch betrachtet täglich sein Gesicht im Spiegel. Dennoch wird es meist nur oberflächlich wahrgenommen. Man erkennt sich wieder, achtet vielleicht auf Frisur oder Kleidung, ohne einzelne Veränderungen bewusst zu analysieren.
Erst die gezielte Beschäftigung mit der Gesichtsmuskulatur veränderte diese Wahrnehmung. Aus dem allgemeinen Eindruck entwickelte sich eine differenzierte Beobachtung. Nach und nach wurden einzelne Strukturen bewusst erkennbar:
- hängende Oberlider,
- nach unten gezogene Mundwinkel,
- nachlassende Spannung der Haut,
- Zornesfalten,
- Veränderungen der Haare,
- verminderte Ausstrahlung der Augen.
Diese Veränderungen waren nicht neu. Sie bestanden bereits zuvor. Neu war lediglich ihre bewusste Wahrnehmung. Erst dadurch wurde eine gezielte Einflussnahme überhaupt möglich.
Was vorher lediglich als allgemeines Älterwerden erschien, konnte nun in einzelne beobachtbare Prozesse unterteilt werden.
Das Bewusstwerdungs-Paradox
Hier zeigt sich ein Phänomen, das sich nicht nur beim Gesicht, sondern in vielen Bereichen beobachten lässt.
Mit zunehmender Aufmerksamkeit werden zunächst vor allem Defizite sichtbar.
Alter wird deutlicher wahrgenommen. Mängel fallen stärker auf. Defekte werden erkannt.
Ängste treten bewusster hervor. Alte Verhaltensmuster werden sichtbar. Dadurch entsteht leicht der Eindruck, alles werde schlimmer.
Tatsächlich muss dies jedoch nicht der Fall sein. Die Erscheinungen nehmen nicht zwangsläufig zu. Sie werden erstmals bewusst unterschieden.
Gerade diese Unterscheidung bildet jedoch die Voraussetzung jeder weiteren Entwicklung. Nur was erkannt wird, kann beschrieben werden. Nur was beschrieben werden kann, lässt sich verstehen.
Und erst was verstanden wurde, eröffnet überhaupt die Möglichkeit einer bewussten Veränderung. Bewusstwerden bedeutet daher nicht unmittelbar Verbesserung. Bewusstwerden bedeutet zunächst Sichtbarkeit.
Erst danach beginnt der eigentliche Entwicklungsprozess.
8. Bedeutungsautonomie
Bedeutung und emotionale Ladung
Im Laufe meiner langjährigen Beschäftigung mit Gedanken, Sprache und ihren Wirkungen wurde mir immer deutlicher, dass Bedeutung nicht nur einen inhaltlichen, sondern auch einen emotionalen Aspekt besitzt.
Bestimmte Worte, Bilder oder Vorstellungen lösten bei mir unmittelbar körperliche und emotionale Reaktionen aus. Noch bevor ich einen Gedanken zu Ende gedacht hatte, veränderten sich Atmung, Muskelspannung oder Herzschlag. Manche Begriffe erzeugten Angst, andere Ruhe oder Freude.
Mir wurde zunehmend bewusst, dass Worte ihre Wirkung offenbar nicht allein durch ihren Inhalt entfalten. Sie tragen eine emotionale Ladung, die sich im Laufe des Lebens durch Erfahrungen aufbaut.
Warum Begriffe ihre Kraft verändern können
Gleichzeitig machte ich eine weitere Beobachtung. Die emotionale Kraft eines Begriffes scheint nicht unveränderlich zu sein. Sie verändert sich mit den eigenen Erfahrungen.
Ein Wort, das früher starke Angst in mir auslöste, kann Jahre später nahezu bedeutungslos geworden sein. Andere Begriffe erhalten dagegen erst im Laufe des Lebens eine große persönliche Bedeutung.
Ich begann deshalb, Bedeutung nicht mehr als etwas Starres zu betrachten, sondern als einen lebendigen Entwicklungsprozess.
Das paradoxe Denken
Während meiner langjährigen Arbeit mit dem paradoxen Denken beobachtete ich diese Veränderung besonders deutlich.
Ich dachte immer wieder bewusst Sätze wie:
Ich will meine Existenz verlieren.
Ich will immer ärmer werden.
Ich will immer kränker werden.
Ich will versagen.
Anfangs fiel mir das ausgesprochen schwer. Allein diese Gedanken lösten starke innere Spannungen und Angst aus. Je häufiger ich mich jedoch bewusst mit diesen Begriffen beschäftigte, desto mehr veränderte sich ihre emotionale Wirkung.
Die Worte blieben dieselben. Ihre sachliche Bedeutung blieb erhalten. Verändert hatte sich jedoch ihre emotionale Ladung. Sie erschütterten mich immer weniger.
Existenzverlust ohne Existenzangst
Besonders deutlich wurde mir diese Entwicklung beim Thema Existenz.
Über viele Jahre gehörte die Angst vor Existenzverlust zu meinen stärksten inneren Bedeutungsmustern. Schon der Gedanke an Armut, Scheitern oder Verlust löste starke körperliche und emotionale Reaktionen aus.
Heute kann ich über dieselben Begriffe nachdenken, ohne dass sie mich existenziell erschüttern. Ich verstehe ihren Inhalt genauso wie früher. Ich verdränge ihn auch nicht. Aber ich nehme wahr, dass die frühere Angst weitgehend verschwunden ist.
Für mich war dies eine der überraschendsten Beobachtungen der vergangenen Jahre.
Beobachtungen aus dem Alltag
Diese Veränderung zeigte sich schließlich auch in meinem Alltag.
Viele Jahre lebte ich mit sehr wenig Geld. Dadurch entwickelte ich ein ausgesprochen sparsames Verhalten. Selbst als sich meine finanzielle Situation später deutlich verbesserte, blieb dieses Muster zunächst bestehen. Ich reparierte vieles selbst, schob notwendige Anschaffungen hinaus und gab Geld nur sehr ungern aus.
In den vergangenen Monaten bemerkte ich jedoch eine Veränderung.
Ich ließ meine alte Spülmaschine reparieren, obwohl dies Geld kostete. Ebenso meinen Computer. Unterwegs kaufte ich mir neue Schuhe, als die alten unerträglich wurden. Ich kaufte Kleidung, wenn sie in der jeweiligen Situation notwendig war, ohne anschließend Angst zu haben, dadurch meine Existenz zu gefährden.
Diese Entscheidungen traf ich nicht leichtfertig.
Der Unterschied bestand vielmehr darin, dass ich keine innere Verlustangst mehr verspürte. Ich konnte Geld ausgeben und gleichzeitig Gelassenheit empfinden.
Ob diese Veränderung unmittelbar auf die Mentalpulsation zurückzuführen ist oder das Ergebnis mehrerer Entwicklungen darstellt, kann ich gegenwärtig nicht entscheiden.
Als persönliche Beobachtung erscheint sie mir jedoch bedeutsam. Ich bezeichne diese Entwicklung vorläufig als Bedeutungsautonomie.
Damit meine ich die wachsende Fähigkeit, meine eigenen Bedeutungen bewusst wahrzunehmen, ohne von ihrer früheren emotionalen Ladung vollständig bestimmt zu werden.
9. Mentalpulsation in neuem Verständnis
Schwingung als Werkzeug
Zu Beginn meiner Arbeit mit der Mentalpulsation stand die Schwingung selbst im Mittelpunkt. Ich vermutete, dass der rhythmische Wechsel zwischen zwei gegensätzlichen Begriffen die innere Beweglichkeit des Organismus fördern könnte. Die Schwingung erschien mir als das eigentliche Ziel der Methode.
Mit zunehmender Erfahrung veränderte sich dieses Verständnis. Heute sehe ich die Schwingung nicht mehr als Ziel, sondern als Werkzeug.
Sie bildet den rhythmischen Rahmen, innerhalb dessen bestimmte innere Prozesse überhaupt erst bewusst wahrgenommen werden können. Nicht die Schwingung selbst steht im Mittelpunkt, sondern das, was sie möglicherweise sichtbar macht.
Was möglicherweise trainiert wird
Je länger ich die Mentalpulsation anwendete, desto stärker entstand in mir der Eindruck, dass nicht einzelne Begriffe oder Gedanken trainiert werden.
Vielmehr scheint sich etwas Grundlegenderes zu verändern. An erster Stelle steht für mich die Aufmerksamkeit. Ich nehme innere Vorgänge heute bewusster wahr als früher. Gefühle, Spannungen, Gewohnheiten oder wiederkehrende Reaktionen erscheinen nicht mehr als selbstverständlich. Sie treten deutlicher hervor und lassen sich genauer beobachten.
Gleichzeitig verändert sich mein Selbstbezug.
Ich erkenne eigene Handlungsmuster zunehmend als Bestandteile meiner bisherigen Entwicklung. Sie erscheinen mir weniger als unveränderliche Eigenschaften meiner Persönlichkeit, sondern eher als gewachsene Organisationsformen meines bisherigen Lebens.
Schließlich verändert sich auch mein Bewusstsein für Bedeutung.
Immer häufiger frage ich mich nicht mehr nur, was ich denke oder fühle, sondern welche Bedeutung eine bestimmte Situation für mich besitzt und warum sie gerade diese Wirkung entfaltet. Ich beobachte dadurch nicht nur Gedanken.
Ich beobachte meine eigenen Bedeutungen.
Vom Impuls zur Handlung
Eine der auffälligsten Veränderungen betrifft den Zeitraum zwischen einem inneren Impuls und meinem tatsächlichen Verhalten.
Früher folgten viele Reaktionen nahezu automatisch.
Eine Kränkung führte zur Kränkung.
Eine Bedrohung löste Angst aus.
Eine Störung erzeugte Ärger.
Heute entstehen solche Reaktionen selbstverständlich noch immer. Sie gehören zum Leben und wahrscheinlich auch zur biologischen Organisation des Menschen. Verändert hat sich jedoch etwas dazwischen.
Zwischen dem ersten Impuls und meiner Handlung scheint mehr innerer Raum entstanden zu sein. In diesem Raum kann ich den Impuls zunächst wahrnehmen. Ich kann beobachten, welche Bedeutung die Situation für mich besitzt.
Ich kann erkennen, welche früheren Erfahrungen möglicherweise mitschwingen. Und manchmal gelingt es mir, bewusst zu entscheiden, ob ich diesem Impuls unmittelbar folgen möchte oder nicht.
Ich verstehe diese Entwicklung nicht als Unterdrückung von Gefühlen. Auch nicht als Kontrolle im herkömmlichen Sinn. Vielmehr entsteht der Eindruck einer größeren inneren Beweglichkeit. Ich kann mich zwischen mehreren Möglichkeiten entscheiden.
Vielleicht besteht genau darin eine der wichtigsten Wirkungen der Mentalpulsation. Nicht darin, den Menschen zu verändern. Sondern darin, den inneren Raum zu erweitern, in dem bewusste Entscheidungen überhaupt möglich werden.
Ob sich dieser Eindruck langfristig bestätigt und auch bei anderen Menschen beobachten lässt, kann ich gegenwärtig nicht beantworten.
Als persönliche Erfahrung gehört diese Erweiterung des inneren Handlungsspielraums jedoch zu den bedeutendsten Veränderungen, die ich bisher wahrgenommen habe.
10. Erlebensbewusstheit
Die Welt wird detailreicher
Eine der überraschendsten Beobachtungen der vergangenen Monate betrifft nicht einzelne Gedanken oder Gefühle, sondern das alltägliche Erleben selbst.
Die Welt scheint detailreicher zu werden.
Äußere Situationen verändern sich dadurch nicht. Menschen bleiben dieselben, Orte bleiben dieselben und auch die alltäglichen Abläufe unterscheiden sich kaum von früher.
Verändert hat sich vielmehr die Art, sie wahrzunehmen. Kleine Einzelheiten fallen bewusster auf. Beziehungen zwischen Ereignissen werden deutlicher. Auch innere Reaktionen lassen sich genauer beobachten.
Das Erleben wirkt dadurch differenzierter.
Mehr Unterschiede
Mit der zunehmenden Aufmerksamkeit entstehen immer feinere Unterschiede.
Früher erschienen viele Situationen ähnlich. Sie lösten nahezu automatisch bekannte Gefühle und Verhaltensweisen aus. Heute erkenne ich häufiger kleine Zwischentöne. Ich bemerke früher, wann sich Ärger aufbaut. Ich erkenne schneller, wann alte Ängste mitschwingen. Ich nehme deutlicher wahr, warum mich bestimmte Menschen anziehen oder warum ich auf Distanz gehe.
Auch Freude erscheint vielschichtiger.
Sie entsteht nicht nur durch große Ereignisse, sondern oft bereits durch kleine Beobachtungen, ein gelungenes Gespräch, eine neue Erkenntnis oder eine kreative Idee.
Je differenzierter das Erleben wird, desto weniger scheint die Welt nur aus Gegensätzen zu bestehen. Zwischen den Polen entstehen immer mehr Möglichkeiten.
Mehr Möglichkeiten
Mit den zunehmenden Unterschieden erweitert sich zugleich der innere Handlungsspielraum.
Wo früher häufig nur zwei Möglichkeiten zu bestehen schienen – Zustimmung oder Ablehnung, Nähe oder Distanz, Angriff oder Rückzug –, entstehen heute weitere Varianten.
- Ich muss eine Situation nicht mehr sofort bewerten.
- Ich kann zunächst beobachten.
- Ich kann abwarten.
- Ich kann meine eigene Reaktion bewusst wahrnehmen.
- Nicht immer gelingt mir das.
Aber immer häufiger.
Gerade diese zusätzlichen Möglichkeiten empfinde ich als eine Form wachsender innerer Freiheit.
Erlebniskreativität
Lange Zeit verstand ich Kreativität vor allem als die Fähigkeit, etwas Neues hervorzubringen.
- Ein Bild.
- Ein Buch.
- Eine Idee.
Heute sehe ich Kreativität umfassender.
Sie beginnt bereits beim Erleben.
Ich kann dieselbe Situation auf unterschiedliche Weise erleben.
Ich kann ihre Bedeutung verändern.
Ich kann neue Zusammenhänge entdecken.
Ich kann Bekanntes mit anderen Augen sehen.
Diese Form der Kreativität benötigt keine besonderen künstlerischen Fähigkeiten. Sie entsteht durch eine veränderte Wahrnehmung. Vielleicht liegt darin eine der schönsten Erfahrungen der Mentalpulsation. Nicht unbedingt mehr zu produzieren. Sondern reicher zu erleben.
Je bewusster das Erleben wird, desto lebendiger erscheint die Welt.
Und vielleicht ist dies eine Form von Kreativität, die jedem Menschen grundsätzlich offensteht.
11. Lebendigkeit
Was Lebendigkeit sein könnte
Die Frage nach dem Wesen des Lebens gehört zu den ältesten Fragen der Menschheit.
Die Biologie beschreibt Leben über Eigenschaften wie Stoffwechsel, Wachstum, Fortpflanzung, Anpassungsfähigkeit oder Evolution. Diese Merkmale ermöglichen eine präzise Beschreibung lebender Organismen und unterscheiden sie von unbelebter Materie.
Dennoch bleibt eine grundlegende Frage offen.
Was macht Leben eigentlich lebendig?
Aus roraytischer Sicht könnte die Antwort tiefer liegen als in den biologischen Erscheinungsformen selbst.
Lebendigkeit beginnt möglicherweise nicht erst mit Zellen oder Organismen.
Sie beginnt bereits dort, wo sich aus der Nullschwingung erstmals Dasein entfaltet.
Mit der ersten Differenz entsteht Schwingung.
Mit der Schwingung entsteht Bedeutung.
Mit der Bedeutung beginnt Selbstbezug.
Mit dem Selbstbezug beginnt Entwicklung.
Lebendigkeit wäre dann kein zusätzlicher Zustand, der irgendwann zur Materie hinzukommt. Sie wäre die fortschreitende Entfaltung des Daseins selbst.
Schwingung allein genügt nicht
Lange Zeit erschien mir Schwingung als die eigentliche Grundlage des Lebens. Heute würde ich diesen Gedanken erweitern. Nicht jede Schwingung ist bereits Ausdruck von Lebendigkeit.
Ein Pendel schwingt.
Eine Uhr schwingt.
Auch technische Systeme arbeiten rhythmisch.
Schwingung allein erklärt daher noch nicht das Wesen des Lebens.
Erst wenn Schwingung Bedeutung trägt, Selbstbezug organisiert und neue Möglichkeiten eröffnet, beginnt das, was innerhalb der Roraytik als Lebendigkeit verstanden wird.
Schwingung bleibt die Voraussetzung. Lebendigkeit entsteht jedoch erst durch ihre fortschreitende Differenzierung.
Die progressive Erweiterung der Möglichkeiten
Je länger ich über die Mentalpulsation und ihre möglichen Wirkungen nachdachte, desto deutlicher wurde mir ein Gedanke.
Vielleicht besteht Lebendigkeit gar nicht darin, möglichst aktiv zu sein.
Auch nicht darin, möglichst viel zu leisten.
Vielleicht besteht sie vielmehr in der fortschreitenden Erweiterung der Möglichkeiten eines Individuums.
- Jede neue Differenzierung eröffnet neue Beziehungen.
- Neue Bedeutungen.
- Neue Formen des Selbstbezugs.
- Neue Möglichkeiten der Kommunikation.
- Neue Formen des Erlebens.
- Neue Möglichkeiten bewusster Gestaltung.
Die Progression betrifft damit nicht nur die äußere Entwicklung der Welt. Sie erweitert zugleich den inneren Möglichkeitsraum jedes Individuums. Aus dieser Sicht könnte Lebendigkeit beschrieben werden als:
die progressive Erweiterung der bewussten Schwingungsmöglichkeit eines Individuums zwischen den Möglichkeiten seines Daseins.
Diese Formulierung versteht sich ausdrücklich als Arbeitshypothese. Sie beschreibt nicht eine abgeschlossene Definition, sondern den gegenwärtigen Stand meiner Überlegungen.
Die Schaukel
Für diese Vorstellung eignet sich das Bild einer Schaukel.
Eine Schaukel erfüllt ihren Sinn nicht dadurch, dass sie möglichst lange auf einer Seite stehen bleibt. Sie lebt von ihrer Bewegung zwischen beiden Möglichkeiten.
Ähnlich erscheint mir inzwischen auch menschliche Lebendigkeit.
- Ich kann mich öffnen.
- Ich kann mich schließen.
- Ich kann festhalten.
- Ich kann loslassen.
- Ich kann Nähe zulassen.
- Ich kann Abstand wahren.
- Ich kann handeln.
- Ich kann abwarten.
Keine dieser Möglichkeiten ist für sich genommen richtig oder falsch. Lebendig werde ich nicht dadurch, dass ich mich dauerhaft für eine Seite entscheide. Lebendig werde ich dadurch, dass ich zwischen ihnen bewusst wechseln kann.
Erstarrung bedeutet, nur noch eine Möglichkeit zu besitzen. Lebendigkeit bedeutet, mehrere Möglichkeiten zur Verfügung zu haben.
Bewusstes Schwingen
Damit erhält auch das Bewusstsein eine neue Bedeutung. Bewusstsein erscheint aus roraytischer Sicht nicht lediglich als Beobachter des Lebens. Es erweitert den Schwingungsraum des Individuums.
Es macht zusätzliche Möglichkeiten überhaupt erst erkennbar. Je größer dieser innere Möglichkeitsraum wird, desto bewusster kann ein Mensch zwischen seinen Reaktionen wählen.
Vielleicht besteht genau darin der eigentliche Unterschied zwischen bloßem Reagieren und bewusstem Leben. Nicht jedes Lebewesen besitzt denselben Umfang bewusster Möglichkeiten. Doch jedes Individuum besitzt innerhalb seiner jeweiligen Organisationsform einen eigenen Schwingungsraum.
Mit zunehmender Progression erweitert sich dieser Raum. Nicht nur biologisch. Nicht nur psychisch. Sondern ebenso im Erleben, im Denken, im Selbstbezug und schließlich im menschlichen Selbst-Bewusstsein.
So erscheint Lebendigkeit schließlich nicht mehr als bloße Bewegung. Sie erscheint als fortschreitende Entfaltung der Möglichkeiten des Daseins selbst. Vielleicht beschreibt dieser Gedanke den eigentlichen Kern der Roraytik:
Nicht das Leben entwickelt sich, weil es lebt.
Sondern das Leben ist lebendig, weil sich seine Möglichkeiten unaufhörlich weiter entfalten.
Lebendigkeit und Altern
Mit dieser Sichtweise erhält auch meine jahrzehntelange Forschung zum Alterungsprozess eine neue Bedeutung.
Als ich die Bloomyy-Übungen entwickelte, stand zunächst der Körper im Mittelpunkt. Ich beobachtete, dass Muskeln, Gelenke, Sehnen, Haut und Gesichtsausdruck im Laufe des Alterns zunehmend an Beweglichkeit verlieren. Viele Veränderungen erschienen mir damals nicht als unabwendbares Schicksal, sondern als Folgen nachlassender Bewegung.
Die regelmäßigen Übungen bestätigten diesen Eindruck. Bewusstes Training konnte Beweglichkeit zurückbringen. Muskeln wurden elastischer. Die Gesichtsmimik lebendiger. Die Augen begannen wieder stärker zu leuchten.
Damals verstand ich diese Veränderungen vor allem organisch. Heute erscheint mir dieses Verständnis unvollständig. Die körperliche Beweglichkeit bildet möglicherweise nur eine von vielen Erscheinungsformen der Lebendigkeit.
Mit den Erkenntnissen der Mentalpulsation entsteht für mich ein erweitertes Bild.
Nicht nur Muskeln können erstarren. Auch Bedeutungen können erstarren. Gefühle können erstarren. Verhaltensmuster können erstarren.
Selbst das Erleben der Welt kann erstarren.
Immer häufiger entsteht in mir deshalb die Vermutung, dass Altern nicht allein ein biologischer Prozess ist.
Altern könnte ebenso die fortschreitende Verengung des inneren Schwingungsraumes sein.
- Ein Mensch bewegt sich dann nicht nur körperlich weniger.
- Er erlebt auch immer weniger Möglichkeiten.
- Er reagiert häufiger nach denselben Mustern.
- Er hält an Bekanntem fest.
- Er verliert nach und nach die Fähigkeit, zwischen verschiedenen Möglichkeiten bewusst zu schwingen.
Aus roraytischer Sicht wäre Erstarrung daher nicht einfach das Gegenteil von Bewegung.
Sie wäre die Verringerung möglicher Schwingung.
Lebendigkeit und Altern erscheinen damit nicht länger als voneinander getrennte Forschungsgebiete.
Sie beschreiben dieselbe Grundstruktur aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Bloomyy versucht, den körperlichen Schwingungsraum wieder zu erweitern.
Die Mentalpulsation könnte dazu beitragen, den Bedeutungs- und Erlebensraum zu erweitern.
Beides verfolgt möglicherweise dasselbe Ziel. Nicht den Menschen jünger zu machen. Sondern ihn wieder lebendiger werden zu lassen. Vielleicht besteht gerade darin die eigentliche Verbindung meiner beiden Forschungswege.
Was über viele Jahre wie zwei unterschiedliche Projekte erschien, könnte sich heute als zwei Zugänge zu derselben Grundfrage erweisen:
Wie lässt sich die Lebendigkeit eines Individuums erhalten oder wieder erweitern?
Diese Frage begleitet meine Arbeit seit vielen Jahrzehnten.
Erst jetzt beginnt sie für mich eine gemeinsame Sprache zu finden.
12. Die Vereinfachung der Begriffe
Im Laufe der wissenschaftlichen Entwicklung entstehen zwangsläufig immer neue Begriffe. Mit jeder neuen Beobachtung werden Erscheinungen genauer beschrieben und voneinander abgegrenzt. Dadurch differenzieren sich einzelne Fachgebiete immer weiter aus. Diese Entwicklung ist notwendig und hat zu einem enormen Wissenszuwachs geführt.
Gleichzeitig wächst jedoch die Schwierigkeit, den Zusammenhang zwischen den vielen Einzelbegriffen noch zu erkennen. Die Roraytik verfolgt deshalb einen ergänzenden Weg.
Sie versucht nicht, weitere Begriffe einzuführen, sondern gemeinsame Grunderscheinungen sichtbar zu machen, aus denen sich die Vielfalt der Erscheinungen verständlich ableiten lässt.
Dabei geht es nicht um Vereinfachung im Sinne einer Reduzierung von Wissen. Es geht um Vereinfachung der zugrunde liegenden Struktur. Begriffe wie Bedeutung, Selbstbezug oder Progression beschreiben in diesem Verständnis keine einzelnen Fachgebiete. Sie bezeichnen Grunderscheinungen, die sich auf unterschiedlichen Ebenen des Daseins in jeweils anderer Form wiederfinden.
So entstehen viele unterschiedliche Erscheinungsformen, ohne dass für jede einzelne ein völlig neuer Ursprung angenommen werden muss.
Die Vielfalt bleibt erhalten.
Ihre gemeinsame Struktur wird jedoch erkennbar.
Vielleicht besteht gerade darin eine der Aufgaben der Roraytik:
Nicht die Welt einfacher zu machen.
Sondern ihre Vielfalt aus möglichst wenigen grundlegenden Prinzipien verständlich werden zu lassen.
13. Offene Forschungsfragen und vorläufiges Fazit
Mit der Mentalpulsation entstand zunächst eine praktische Methode. Im Verlauf ihrer Anwendung entwickelte sich daraus jedoch zunehmend eine grundlegendere Fragestellung.
Nicht mehr allein die Methode selbst stand im Mittelpunkt.
Immer wichtiger wurde die Frage, welche allgemeinen Entwicklungsprinzipien sich hinter den beobachteten Veränderungen verbergen könnten.
Im Verlauf dieser Schrift entstand daraus eine neue Sichtweise.
Aus der ursprünglichen Vorstellung einer rhythmischen Schwingung entwickelte sich schrittweise das Bild einer fortschreitenden Progression.
Polarität erschien nicht länger nur als Wechsel zwischen Gegensätzen.
Sie wurde zum Ausgangspunkt von Bedeutung.
Bedeutung führte zum Selbstbezug.
Aus dem Selbstbezug entwickelte sich schließlich das menschliche Selbst-Bewusstsein als bislang höchste bekannte Differenzierungsstufe dieser gemeinsamen Grundstruktur.
Damit veränderte sich auch das Verständnis der Mentalpulsation.
Sie erscheint nun weniger als Methode zur Veränderung einzelner Gedanken oder Gefühle.
Vielmehr könnte sie ein Werkzeug sein, Aufmerksamkeit, Bedeutungsbewusstheit und den inneren Schwingungsraum zwischen unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten zu erweitern.
Ob sich diese Annahme langfristig bestätigt, bleibt offen.
Gerade deshalb ergeben sich zahlreiche neue Forschungsfragen.
Wie entwickelt sich Bedeutung im Laufe des Lebens?
Wie verändert sich der Selbstbezug eines Individuums?
Welche Rolle spielt die bewusste Aufmerksamkeit für diese Entwicklung?
Welche Bedeutung besitzt die Mentalpulsation innerhalb dieses Prozesses?
Welche Veränderungen werden unmittelbar wahrnehmbar?
Und welche Entwicklungen bleiben möglicherweise über lange Zeit unsichtbar, obwohl sie bereits wirksam sind?
Ebenso offen bleibt die Frage, wie sich diese Überlegungen mit zukünftigen wissenschaftlichen Erkenntnissen verbinden lassen.
Die hier dargestellten Gedanken verstehen sich daher ausdrücklich nicht als abgeschlossene Theorie.
Sie bilden den gegenwärtigen Stand einer fortlaufenden Forschung.
Vielleicht besteht ihr wichtigstes Ergebnis bisher nicht darin, endgültige Antworten gefunden zu haben.
Sondern darin, einige der grundlegenden Fragen klarer stellen zu können.
Wenn die in dieser Schrift entwickelte Arbeitshypothese zutrifft, dann beschreibt die Mentalpulsation nicht nur eine Methode der Selbstbeobachtung.
Sie verweist auf ein allgemeineres Entwicklungsprinzip:
Lebendigkeit zeigt sich möglicherweise in der fortschreitenden Erweiterung der Möglichkeiten eines Individuums, Bedeutung bewusst wahrzunehmen, zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten zu schwingen und den eigenen Selbstbezug zunehmend bewusst zu gestalten.
Die Progression wäre dann nicht nur eine Entwicklung der Welt.
Sie wäre zugleich eine Entwicklung des bewussten Daseins innerhalb dieser Welt.
Diese Forschung ist damit nicht abgeschlossen.
Sie hat gerade erst begonnen.
Abschließende Arbeitshypothese
Die Roraytik geht von der Annahme aus, dass die Nullschwingung das Potenzial aller Möglichkeiten enthält. Mit der ersten Differenz beginnt die Progression.
Diese Progression beschreibt nicht nur die Entstehung materieller Strukturen. Sie umfasst gleichermaßen die fortschreitende Entfaltung von Bedeutung, Kommunikation, Selbstbezug, Bewusstwerdung, Kreativität und schließlich des menschlichen Selbst-Bewusstseins.
Alle diese Erscheinungen besitzen nach dieser Auffassung keinen voneinander getrennten Ursprung. Sie stellen unterschiedliche Entwicklungsformen derselben grundlegenden Struktur dar.
Lebendigkeit erscheint damit nicht allein als biologische Eigenschaft des Organismus.
Sie zeigt sich in der fortschreitenden Erweiterung der Möglichkeiten eines Individuums, zwischen den Erscheinungsformen seines Daseins bewusst zu schwingen und seinen Selbstbezug zunehmend gestaltend zu entwickeln.
Vor diesem Hintergrund erhält auch die Mentalpulsation eine neue Bedeutung. Sie erscheint nicht mehr ausschließlich als Methode zur Veränderung einzelner Gedanken oder Gefühle.
Sie könnte vielmehr ein praktischer Weg sein, Aufmerksamkeit, Bedeutungsbewusstheit und den inneren Schwingungsraum eines Menschen zu erweitern.
Ob sich diese Annahmen langfristig bestätigen lassen, muss weitere Forschung zeigen.
Die bisherigen Beobachtungen legen jedoch die Vermutung nahe, dass die eigentliche Wirkung der Mentalpulsation weniger in der Veränderung einzelner Inhalte liegt als in der fortschreitenden Erweiterung der Möglichkeiten bewussten Erlebens. Vielleicht besteht genau darin Progression. Nicht immer mehr Wissen anzusammeln.
Sondern immer mehr Möglichkeiten des bewussten Daseins zu entfalten.
Die Nullschwingung enthält das Potenzial aller Möglichkeiten. Progression ist die fortschreitende Entfaltung der Möglichkeiten des Daseins.
Und dann folgt fast zwangsläufig:
- Materie ist eine Progression.
- Leben ist eine Progression.
- Bedeutung ist eine Progression.
- Selbstbezug ist eine Progression.
- Bewusstwerden ist eine Progression.
- Kreativität ist eine Progression.
- Lebendigkeit ist die fortschreitende Erweiterung dieser Möglichkeiten.
Viele Erscheinungen. Eine Struktur. Viele Unterschiede. Ein Zusammenhang.
Die Roraytik erkennt in verschiedenen philosophischen, religiösen und wissenschaftlichen Traditionen Gedanken, die aus heutiger Sicht strukturelle Ähnlichkeiten zu ihren eigenen Grundannahmen aufweisen.
Sie versteht sich jedoch nicht als Fortsetzung einer einzelnen Tradition, sondern als eigenständiger Versuch, diese unterschiedlichen Denkansätze unter einem gemeinsamen Entwicklungsprinzip neu zu betrachten.
Aber:
Jede abgeschlossene Erkenntnis wird zur neuen Nullschwingung der nächsten Erkenntnis. Dieses Werk ist abgeschlossen. Daraus wird ein neues Werk entstehen.
Die Roraytik erkennt in verschiedenen philosophischen, religiösen und wissenschaftlichen Traditionen Gedanken, die aus heutiger Sicht strukturelle Ähnlichkeiten zu ihren eigenen Grundannahmen aufweisen.
Sie versteht sich jedoch nicht als Fortsetzung einer einzelnen Tradition, sondern als eigenständiger Versuch, diese unterschiedlichen Denkansätze unter einem gemeinsamen Entwicklungsprinzip neu zu betrachten.
Aber:
Jede abgeschlossene Erkenntnis wird zur neuen Nullschwingung der nächsten Erkenntnis. Dieses Werk ist abgeschlossen. Daraus wird ein neues Werk entstehen.