Zum Hauptinhalt springen

Vielleicht stellt die Physik seit über hundert Jahren die falsche Frage.

Statt zu fragen, was unabhängig vom Beobachter „wirklich“ existiert, zeigen quantenphysikalische Experimente womöglich etwas anderes: dass Beobachtung nicht außerhalb der Realität steht, sondern Teil von ihr ist. Dann wäre Wirklichkeit keine feste, objektive Welt, die wir nur entdecken, sondern etwas, das erst im Zusammenspiel von Beobachter und Beobachtetem entsteht. Das sogenannte Messproblem wäre damit kein Fehler der Physik, sondern ein Hinweis darauf, dass Realität weniger aus isolierten Dingen besteht als aus Beziehungen und Prozessen.

Ich bin Journalistin und beschäftige mich seit Jahren mit grundlegenden Fragen von Wahrnehmung, Realität und Erkenntnis. 

Uta Baranovskyy

Uta Baranovskyy + ChatGPT

Conexyy - Bewusste Beziehungsgestaltung zum eigenen Organismus

  1. Vom Funktionsbereich zum Beziehungsraum
  • Warum sich der Forschungsschwerpunkt verändert hat
  • Organismus und Bewusstsein als Beziehungspartner
  • Die Entdeckung des inneren Beziehungsraumes
  •  
  1. Beziehungen organisieren Lebendigkeit
  • Beziehung als organisierter Funktionsraum
  • Individuen entstehen durch Differenzierung
  • Beziehungen entstehen durch Progression
  •  
  1. Innere Beziehungsräume des Organismus
  • Die Pleura als pulsierender Beziehungsraum zwischen Lunge und Brustkorb.
  • Die Hirnhäute als organisierter Beziehungsraum zwischen Gehirn und Schädel.
  • Das Bauchfell als Beziehungsraum zwischen Organen und Bauchwand.
  • Nervenhüllen als Beziehungsräume zwischen Nerv und Umgebung.
  •  
  1. Vom inneren zum äußeren Beziehungsraum
  • Strukturähnlichkeiten zwischen organischer und bewusster Beziehungsgestaltung.
  • Innere Grenzräume und äußere Grenzräume.
  • Aufnahme und Abgabe als universelle Beziehungsstruktur.
  •  
  1. Der Begriff „angemessen“
  • Warum „besser“ nicht mehr ausreichte.
  • Angemessenheit statt Optimierung.
  • Regulation statt Maximierung.
  •  
  1. Der Organismus als Forschungspartner
  • Bewusstes Denken und autonome Regulation.
  • Zusammenarbeit statt Kontrolle.
  • Die Sprache des Organismus und die Sprache des Bewusstseins.
  •  
  1. Organische Funktionsräume und subjektive Bedeutungsräume
  • Organe besitzen biologische Funktionen.
  • Der Mensch entwickelt individuelle Bedeutungsräume.
  • Ein Organ ist zugleich Funktionsraum und Bedeutungsraum.
  •  
  1. Beziehung zu den eigenen Körperteilen
  • Die Entdeckung der inneren Selbstbeziehung.
  • Selbstbild und Körperbild.
  • Integration statt Ausgrenzung.
  •  
  1. Das Beispiel der Krampfadern
  • Anatomischer Befund.
  • Persönlicher Bedeutungsraum.
  • Schutz, Scham und Selbstbild
  1. Schutz und Öffnung
  • Schutzräume entstehen.
  • Schutzräume stabilisieren.
  • Schutzräume können erstarren.
  •  
  1. Resonanz nach innen
  • Resonanz zwischen Bewusstsein und Organismus.
  • Beziehung zu einzelnen Funktionsbereichen.
  • Beziehung zu Beziehungsräumen.
  •  
  1. Die Expedition geht weiter
  • Offene Fragen.
  • Neue Beobachtungsfelder.

Einführung – Der bisherige Forschungsweg

Dieses Buch ist kein Neubeginn, sondern die Fortsetzung eines inzwischen über dreißigjährigen Forschungs- und Erkenntnisweges.

Ausgangspunkt war die Blaue Schule, der Versuch, die Entstehung von Wirklichkeit in einer möglichst einfachen Grundstruktur zu beschreiben. Aus der Vorstellung eines ursprünglichen „Nichts“ entwickelte sich die Erkenntnis einer fortschreitenden Differenzierung in Polaritäten.

Daraus entstand später die Roraytik, welche die Nullschwingung als Ausgangspunkt aller Differenzierung beschreibt. Entwicklung wurde dabei zunehmend nicht mehr als bloße Vielfalt verstanden, sondern als Progression, die Individuen mit eigenen Eigenschaften hervorbringt. Nach und nach zeigte sich, dass nicht nur die Individuen selbst, sondern ebenso ihre Beziehungen zueinander individuelle Qualitäten erzeugen.

Aus dieser Sichtweise entwickelte sich schließlich der Gedanke eines universellen Selbstbezuges, der sich im Menschen zu bewusstem Selbst-Bewusstsein entfaltet.

Parallel zur theoretischen Arbeit entstanden über viele Jahre praktische Forschungswege.

Zunächst arbeitete ich mit dem Positiven Denken. Es führte zunächst zu einer subjektiven Verbesserung meines Lebens, machte später jedoch deutlich, dass die einseitige Ausrichtung auf die positive Polarität langfristig zu einer inneren Überdehnung führen kann. Aus dieser Erfahrung entwickelte sich das Paradoxe Denken, das half, innere Spannungen schrittweise aufzulösen und wieder größere Stabilität im Leben zu erreichen.

 

Aus den Erkenntnissen der Blauen Schule entstand anschließend Bloomyy, ein praktisches Übungssystem auf der Grundlage polarer Muskelbewegungen. Durch das bewusste Zusammenziehen und Ausdehnen einzelner muskulärer Funktionseinheiten entwickelte sich über viele Jahre ein Training, das Beweglichkeit, Elastizität und körperliche Lebendigkeit bis ins höhere Alter erhalten sollte.

Im weiteren Verlauf wurde deutlich, dass Alterung nicht nur muskuläre und organische Strukturen betrifft. Auch Denken, Fühlen, Verhalten und soziale Beziehungen können im Laufe des Lebens zunehmend erstarren. Daraus entwickelte sich die Mentalpulsation, mit der mentale und psychische Muster bewusst beobachtet und schrittweise beweglicher werden sollten.

Aus dieser Entwicklung entstand schließlich Conexyy. Während sich das erste Etappenbuch „Conexyy – Bewusste Beziehungsgestaltung“ vor allem mit den Grundlagen bewusster Beziehungsgestaltung beschäftigte, beschreibt das vorliegende Buch den nächsten Forschungsschritt.

Der Schwerpunkt verlagert sich nun auf die bewusste Beziehungsgestaltung zum eigenen Organismus.

Wie alle bisherigen Etappenbücher versteht sich auch dieses Buch nicht als Abschluss einer Theorie, sondern als Dokument einer fortlaufenden Expedition. Es beschreibt Beobachtungen, Erfahrungen, Arbeitshypothesen und Erkenntnisse, die sich aus der praktischen Anwendung ergeben haben.

1. Vom Funktionsbereich zum Beziehungsraum

Im ersten Etappenbuch zu Conexyy stand die bewusste Beziehungsgestaltung im Mittelpunkt. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass Entwicklung nicht allein durch die Entstehung neuer Individuen erfolgt, sondern ebenso durch die fortschreitende Differenzierung ihrer Beziehungen. Beziehungen wurden dabei nicht mehr als bloße Verbindungen verstanden, sondern als eigenständige Funktionsräume, in denen Austausch, Rückkopplung und neue Qualitäten entstehen.

Während der weiteren praktischen Arbeit mit Conexyy verschob sich mein Forschungsschwerpunkt jedoch allmählich. Zunächst richtete ich meine Aufmerksamkeit auf einzelne organische Funktionsbereiche. Ich entwickelte kurze mentale Übungen nach einem einfachen Grundprinzip. An die Stelle vieler unterschiedlicher Formulierungen trat die kleinste von mir gefundene funktionelle Polarität:

Ich nehme auf – ich gebe ab.

Diese Grundstruktur übertrug ich auf unterschiedliche Funktionsbereiche des Organismus. Es entstanden Übungen wie:

Meine Augen nehmen auf – meine Augen geben ab.

Mein Blut nimmt auf – mein Blut gibt ab.

Meine Haut nimmt auf – meine Haut gibt ab.

Der ursprüngliche Gedanke bestand darin, den jeweiligen Funktionsbereich mental anzusprechen und zu beobachten, ob sich daraus langfristig Veränderungen ergeben.

Mit der praktischen Anwendung entstand jedoch eine neue Fragestellung.

Ich bemerkte, dass meine Aufmerksamkeit sich nicht ausschließlich auf das jeweilige Organ richtete. Immer häufiger traten Gedanken, Erinnerungen, Bewertungen und Gefühle in den Vordergrund. Der betrachtete Funktionsbereich war offenbar nicht nur ein anatomischer Bereich, sondern zugleich Teil eines wesentlich größeren inneren Zusammenhangs.

Besonders deutlich wurde dies während der Beschäftigung mit den Krampfadern an meinem linken Schienbein. Zunächst wollte ich lediglich einen konkreten organischen Bereich in die Conexyy-Übungen einbeziehen. Bereits nach kurzer Zeit zeigte sich jedoch, dass sich meine Aufmerksamkeit kaum auf die Vene selbst beschränkte. Stattdessen traten jahrzehntelang aufgebaute Bewertungen hervor: Angst vor dem Altern, Angst vor Ablehnung, Scham über das eigene Aussehen und die Tendenz, einzelne Körpermerkmale mit der gesamten eigenen Person gleichzusetzen.

Die Krampfader war anatomisch dieselbe geblieben. Verändert hatte sich der innere Raum, in dem ich ihr begegnete. Damit verlagerte sich der eigentliche Forschungsgegenstand. Nicht mehr allein die Frage, wie ein Organismus auf bewusstes Denken reagieren könnte, stand im Mittelpunkt.

Die neue Frage lautete: Wie gestaltet sich die Beziehung meines Bewusstseins zu den einzelnen Funktionsbereichen meines eigenen Organismus?

Diese Veränderung erscheint auf den ersten Blick unscheinbar. Tatsächlich verändert sie jedoch die gesamte Forschungsrichtung.

Ein Organ besitzt biologische Funktionen. Es ist in Stoffwechselprozesse eingebunden, steht mit anderen Organen in Wechselwirkung und erfüllt innerhalb des Gesamtorganismus bestimmte Aufgaben. Der Mensch entwickelt darüber hinaus eine eigene Beziehung zu diesem Organ. Diese Beziehung entsteht nicht im Organ selbst, sondern im Verlauf des Lebens. Erfahrungen, Erziehung, Kultur, persönliche Erlebnisse, Ängste und Erwartungen bilden nach und nach einen individuellen Bedeutungsraum.

Damit treten zwei unterschiedliche Ebenen nebeneinander. Die erste Ebene beschreibt den Organismus in seiner biologischen Organisation. Die zweite Ebene beschreibt die Beziehung des Menschen zu seinem Organismus. Beide Ebenen beeinflussen sich gegenseitig, sind jedoch nicht identisch. Diese Unterscheidung wurde für meine weitere Arbeit grundlegend.

Frühere Conexyy-Übungen zielten vor allem auf den jeweiligen Funktionsbereich. Im weiteren Verlauf entwickelte sich daraus zunehmend eine Arbeit am Beziehungsraum zwischen Bewusstsein und Organismus. Die Aufmerksamkeit richtete sich nicht mehr ausschließlich auf die Frage, wie ein Organ besser funktionieren könnte, sondern ebenso darauf, wie sich meine Beziehung zu diesem Organ im Laufe der Übung verändert.

Dabei entstand auch der Begriff der Angemessenheit. Zunächst verwendete ich Formulierungen wie:

Ich nehme immer besser auf.

Ich gebe immer besser ab.

 

Im Laufe der praktischen Arbeit zeigte sich jedoch, dass der Begriff „besser“ ungewollt eine einseitige Zielrichtung vorgab. Er weckte die Vorstellung einer fortlaufenden Steigerung. Aus früheren Erfahrungen mit dem Positiven Denken wusste ich jedoch, dass jede einseitige Entwicklung langfristig ihre Gegenbewegung hervorruft.

An die Stelle des Begriffs „besser“ trat deshalb der Begriff „angemessen“. Die Übungen erhielten damit eine andere Ausrichtung. Nicht Wachstum, nicht Optimierung, nicht Leistungssteigerung, sondern angemessene Regulation.

Diese Veränderung erwies sich nicht nur sprachlich als bedeutsam. Sie veränderte auch meine innere Haltung gegenüber dem Organismus. Die Aufmerksamkeit richtete sich weniger auf das Erzwingen einer Verbesserung als auf das Vertrauen, dass Regulationsprozesse innerhalb ihrer jeweiligen Möglichkeiten stattfinden können.

Mit dieser Veränderung entstand eine weitere Konsequenz. Der Organismus erschien nicht länger ausschließlich als Objekt meiner Beobachtung. Er wurde zum Beziehungspartner meiner Forschung.

Diese Formulierung ist nicht im biologischen Sinne zu verstehen. Der Organismus besitzt keine Sprache im menschlichen Sinn und verfolgt keine bewussten Absichten. Seine Regulation erfolgt überwiegend autonom. Das Bewusstsein greift nur in begrenztem Umfang direkt in diese Prozesse ein.

Dennoch stehen beide Ebenen fortlaufend miteinander in Wechselwirkung.

Das autonome Nervensystem verarbeitet ununterbrochen Informationen aus dem Körper und der Umwelt. Das Bewusstsein nimmt einen kleinen Teil dieser Prozesse wahr, interpretiert sie und reagiert wiederum mit Gedanken, Aufmerksamkeit, Entscheidungen und Verhalten. Zwischen beiden entsteht ein fortlaufender Austausch, dessen Einzelheiten bis heute nur teilweise verstanden sind.

Conexyy versteht sich deshalb nicht als Versuch, den Organismus bewusst zu steuern. Die praktische Arbeit richtet sich vielmehr auf die Gestaltung dieses Beziehungsraumes. Der Organismus bleibt Organismus. Das Bewusstsein bleibt Bewusstsein. Die Aufmerksamkeit gilt dem Zwischenraum, in dem beide fortlaufend miteinander in Beziehung stehen.

Mit dieser Verschiebung begann eine neue Etappe meiner Forschungsreise. Nicht mehr einzelne Funktionsbereiche standen ausschließlich im Mittelpunkt. Zum eigentlichen Forschungsfeld wurde der innere Beziehungsraum zwischen dem bewussten Ich und dem eigenen Organismus.

2. Beziehungen organisieren Lebendigkeit

Die Roraytik beschreibt Entwicklung als fortschreitenden Differenzierungsprozess. Aus der Nullschwingung entstehen zunächst Polaritäten. Aus den Polaritäten entwickeln sich Individuen mit jeweils eigenen Eigenschaften und Funktionen. Diese Differenzierung endet jedoch nicht bei den Individuen selbst. Mit jeder neuen Differenzierung entstehen zugleich neue Beziehungen.

Im Laufe meiner Forschung verschob sich der Blick immer stärker von den Individuen auf diese Beziehungen.

Anfangs erschienen Beziehungen vor allem als Verbindungen zwischen bereits vorhandenen Einheiten. Mit der Zeit wurde deutlich, dass diese Vorstellung zu einfach ist. Beziehungen besitzen selbst eine Organisation. Sie erfüllen eigene Funktionen und ermöglichen Prozesse, die keines der beteiligten Individuen allein hervorbringen könnte.

Eine Beziehung ist deshalb mehr als eine Verbindung. Sie bildet einen eigenen Funktionsraum.

In diesem Funktionsraum entstehen Austausch, Rückkopplung, Anpassung, Regulation und Entwicklung. Ohne ihn blieben Individuen voneinander getrennt. Erst durch die Beziehung entsteht eine gemeinsame Organisation.

Diese Erkenntnis veränderte auch mein Verständnis von Qualität. Lange Zeit suchte ich Eigenschaften in den Individuen selbst. Ein Organ sollte bestimmte Eigenschaften besitzen, ebenso ein Mensch, eine Zelle oder ein Gedanke. Heute erscheint mir diese Sichtweise unvollständig.

Viele Qualitäten entstehen erst innerhalb von Beziehungen. Ein einfaches Beispiel ist das Atmen. Die Lunge besitzt bestimmte anatomische Eigenschaften. Der Brustkorb besitzt andere. Beide erfüllen unterschiedliche Funktionen. Atmung entsteht jedoch nicht ausschließlich durch die Lunge und auch nicht ausschließlich durch den Brustkorb. Sie entsteht innerhalb der organisierten Beziehung beider Systeme. Erst ihre fortlaufende Wechselwirkung ermöglicht die eigentliche Funktion.

Dasselbe gilt für zahlreiche andere Bereiche des Organismus. Organe arbeiten nicht nebeneinander. Sie arbeiten miteinander. Sie tauschen Stoffe aus, übertragen Informationen, gleichen Druckunterschiede aus, reagieren aufeinander und verändern sich gegenseitig. Die eigentliche Organisation des Lebens entsteht innerhalb dieser fortlaufenden Wechselwirkungen. Mit zunehmender Differenzierung nimmt deshalb nicht nur die Zahl der Individuen zu. Es wächst ebenso die Zahl ihrer Beziehungen. Jede neue Beziehung eröffnet weitere Möglichkeiten der Organisation. Dadurch entstehen neue Funktionen, neue Eigenschaften und neue Qualitäten. Progression bedeutet aus dieser Sicht nicht lediglich Vermehrung. Sie bedeutet zunehmende Organisation von Beziehungen. Diese Sichtweise verändert auch den Begriff des Individuums. Ein Individuum erscheint zunächst als abgegrenzte Einheit. Gleichzeitig besitzt es jedoch keine Existenz für sich allein.

Jede Zelle lebt innerhalb eines Gewebes. Jedes Organ innerhalb eines Organismus. Jeder Mensch innerhalb sozialer und ökologischer Zusammenhänge. Selbst das Bewusstsein entsteht nicht unabhängig von seinem Organismus. Abgrenzung und Beziehung bilden deshalb keinen Widerspruch. Sie ergänzen sich.

Je deutlicher sich Individuen differenzieren, desto differenzierter werden auch ihre Beziehungen. Mit jeder neuen Organisationsebene entstehen wiederum neue Beziehungsräume. Die Entwicklung verläuft dadurch nicht linear. Sie entfaltet sich als fortlaufende Progression von Differenzierung und Beziehung.

Im Verlauf meiner praktischen Arbeit wurde mir zunehmend bewusst, dass Beziehungen nicht nur zwischen Menschen oder Organen bestehen. Auch innerhalb des Organismus entstehen fortlaufend neue Beziehungsräume. Zwischen Organen. Zwischen Geweben. Zwischen Zellen. Zwischen Nervenzellen. Zwischen Bewusstsein und Organismus.

 

Jeder dieser Beziehungsräume besitzt eigene Organisationsformen und eigene Funktionen. Lebendigkeit zeigt sich dabei nicht allein in der Existenz dieser Beziehungen. Sie zeigt sich vor allem in ihrer Beweglichkeit. Beziehungen verändern sich fortlaufend. Sie nehmen auf. Sie geben ab. Sie reagieren. Sie regulieren. Sie passen sich neuen Bedingungen an.

Kommt diese Beweglichkeit zunehmend zum Erliegen, verändert sich die Qualität der Beziehung. Sie wird starrer. Ihre Regulationsmöglichkeiten nehmen ab. Der Organismus kann dies ebenso betreffen wie Denken, Verhalten oder soziale Beziehungen. Alterung erscheint unter diesem Blickwinkel nicht ausschließlich als Veränderung einzelner Organe.

Sie betrifft ebenso die Beweglichkeit der Beziehungen zwischen den Funktionsbereichen. Conexyy setzt an diesem Punkt an. Im Mittelpunkt steht nicht mehr in erster Linie das einzelne Organ und auch nicht ausschließlich das einzelne psychische Muster.

Gegenstand der Forschung wird zunehmend der jeweilige Beziehungsraum selbst. Die grundlegende Arbeitshypothese lautet: Lebendigkeit entsteht nicht allein durch gut funktionierende Individuen. Lebendigkeit entsteht vor allem durch angemessen organisierte und bewegliche Beziehungen zwischen ihnen.

Diese Beziehungen bilden keine abstrakten Verbindungen. Sie besitzen eigene Funktionen. Sie organisieren Austausch. Sie ermöglichen Regulation. Sie schaffen neue Qualitäten. Sie bilden damit einen wesentlichen Bestandteil dessen, was wir als lebendigen Organismus, als bewusstes Erleben und als menschliche Entwicklung wahrnehmen.

3. Innere Beziehungsräume des Organismus

Die Pleura als organisierter Beziehungsraum

Während sich die bisherigen Überlegungen vor allem auf die Beziehung zwischen Bewusstsein und Organismus richteten, führte die weitere Beschäftigung mit Anatomie und Physiologie zu einer zusätzlichen Erkenntnis. Der Organismus besteht nicht lediglich aus einer Ansammlung einzelner Organe, die jeweils für sich arbeiten. Zwischen den Organen existieren hoch organisierte Funktionsräume, die den Stoffaustausch, die mechanische Zusammenarbeit und die wechselseitige Regulation überhaupt erst ermöglichen. Die eigentliche Leistung des Organismus entsteht daher nicht allein durch die Organe selbst, sondern ebenso durch die Beziehungen, die sie miteinander eingehen.

Dieser Gedanke fiel mir zunächst nicht durch theoretische Überlegungen auf, sondern beim genaueren Studium verschiedener anatomischer Strukturen. Immer wieder zeigte sich, dass dort, wo zwei funktionell unterschiedliche Bereiche zusammentreffen, der Organismus nicht einfach eine Grenze bildet, sondern einen eigenen Organisationsraum schafft. Diese Grenzräume bestehen häufig aus mehreren spezialisierten Schichten, enthalten Flüssigkeiten, Gefäße, Nerven und Bindegewebe und ermöglichen einen fortlaufenden Austausch zwischen den beteiligten Funktionsbereichen. Anatomisch erscheinen sie zunächst als Hüllen oder Häute. Funktionell übernehmen sie jedoch wesentlich mehr Aufgaben als ein bloßes Trennen oder Zusammenhalten.

Ein besonders anschauliches Beispiel hierfür bildet die Pleura, das Brustfell. Sie besteht aus zwei Blättern. Das Lungenfell (Pleura visceralis) liegt der Lunge unmittelbar an und überzieht ihre gesamte Oberfläche bis in die tiefen Einziehungen zwischen den einzelnen Lungenlappen. Das Brustfell (Pleura parietalis) kleidet dagegen die Innenseite des Brustkorbes aus, bedeckt das Zwerchfell und reicht bis in den Bereich des Herzbeutels. Zwischen beiden Blättern befindet sich kein leerer Spalt, sondern ein äußerst schmaler Pleuraspalt, der von einer dünnen Flüssigkeitsschicht ausgefüllt wird.

Diese Pleuraflüssigkeit besteht überwiegend aus Wasser mit gelösten Elektrolyten, Proteinen und weiteren Stoffwechselbestandteilen. Sie wird vor allem über feinste Blutgefäße des Brustfells gebildet und über Lymphgefäße kontinuierlich wieder aufgenommen. Produktion und Abtransport befinden sich unter normalen Bedingungen in einem dynamischen Gleichgewicht. Die Flüssigkeit wird daher ständig erneuert. 

Ihre Aufgabe besteht nicht nur darin, die Reibung zwischen beiden Pleurablättern nahezu vollständig zu verhindern. Sie ermöglicht zugleich die Ausbildung von Adhäsionskräften, durch die beide Häute trotz ihrer Verschiebbarkeit funktionell miteinander gekoppelt bleiben.

Die Lunge besitzt aufgrund ihres elastischen Gewebes die Tendenz, sich zusammenzuziehen. Der knöcherne Brustkorb besitzt dagegen eine leicht nach außen gerichtete elastische Spannung. Zwischen beiden entsteht dadurch im Pleuraspalt ein leichter Unterdruck. 

Dieser Unterdruck wirkt nicht als Sog im umgangssprachlichen Sinn, sondern als mechanische Kopplung zwischen Lunge und Brustwand. Solange dieser Zusammenhang erhalten bleibt, folgt die Lunge jeder Bewegung des Brustkorbes nahezu reibungsfrei.

Beim Einatmen erweitern Rippenmuskulatur und Zwerchfell den Brustraum. Der Pleuraspalt überträgt diese Bewegung unmittelbar auf die Lunge. Die elastischen Lungenbläschen entfalten sich, der Druck innerhalb der Alveolen sinkt geringfügig unter den atmosphärischen Luftdruck und Luft strömt über die Atemwege ein. Beim Ausatmen entspannen sich Brustkorb und Zwerchfell wieder. Die elastischen Fasern der Lunge unterstützen nun die Rückbewegung. 

Die Alveolen verkleinern ihr Volumen, der Druck steigt leicht an und die Luft strömt wieder aus. Während des gesamten Atemvorganges verschieben sich die beiden Pleurablätter kontinuierlich gegeneinander, ohne ihre funktionelle Verbindung zu verlieren.

 

 

 

Dieses Zusammenspiel besitzt eine bemerkenswerte Eigenschaft. Weder die Lunge noch der Brustkorb könnten ihre jeweilige Aufgabe allein erfüllen. Erst der schmale Zwischenraum mit seinen beiden Häuten und der dazwischen befindlichen Flüssigkeit organisiert ihre gemeinsame Funktion. Der eigentliche Atemvorgang entsteht somit nicht ausschließlich in einem Organ, sondern innerhalb eines hoch differenzierten Beziehungsraumes. Dieser Beziehungsraum arbeitet fortlaufend. 

Mit jedem Atemzug werden Druckverhältnisse verändert, Flüssigkeiten bewegt, Stoffwechselprozesse unterstützt und mechanische Kräfte übertragen. Gleichzeitig beeinflussen die rhythmischen Bewegungen der Atmung den venösen Blutrückstrom zum Herzen, die Lymphströmung sowie die Beweglichkeit zahlreicher weiterer Gewebe im Brustraum.

Für meine eigene Forschungsarbeit erhielt diese anatomische Struktur eine grundsätzliche Bedeutung. Sie zeigte mir, dass der Organismus Beziehungen nicht nur funktionell nutzt, sondern sie selbst als eigenständige Organisationseinheiten ausbildet. Die Pleura verbindet Lunge und Brustkorb nicht einfach miteinander. Sie bildet einen eigenen Funktionsraum mit spezifischen Aufgaben, eigenen Stoffwechselprozessen und eigener Dynamik. Anatomisch erscheint sie als Grenzbereich zwischen zwei Organen. Physiologisch ist sie jedoch ein aktiver Regulationsraum, innerhalb dessen fortlaufend Aufnahme, Abgabe, Druckausgleich, Bewegung und Stoffaustausch stattfinden.

Aus dieser Betrachtungsweise entstand eine Arbeitshypothese, die für Conexyy bedeutsam wurde. Wenn der Organismus seine inneren Funktionsbereiche nicht unmittelbar aneinanderlegt, sondern zwischen ihnen hoch organisierte Beziehungsräume schafft, könnte der Beziehung selbst eine wesentlich größere Bedeutung zukommen, als sie in der klassischen Betrachtung meist erhält. Diese Überlegung stellt keine biologische Theorie dar, sondern bildet einen strukturellen Gedanken, der sich wie ein roter Faden durch die weitere Entwicklung der Roraytik und von Conexyy zieht.

Das Zwerchfell als zentraler Beziehungsraum zwischen Brust- und Bauchraum

Die Betrachtung der Pleura führte zu einer weiteren anatomischen Struktur, deren Bedeutung für meine weiteren Überlegungen kaum geringer erscheint: dem Zwerchfell. In der klassischen Anatomie wird das Zwerchfell meist als wichtigster Atemmuskel beschrieben. Diese Beschreibung ist selbstverständlich richtig, sie wird seiner tatsächlichen funktionellen Bedeutung jedoch nur teilweise gerecht. Das Zwerchfell ist weit mehr als ein Muskel. Es bildet den beweglichen Grenzraum zwischen Brusthöhle und Bauchhöhle und verbindet gleichzeitig beide Bereiche zu einer gemeinsamen funktionellen Einheit.

Anatomisch besitzt das Zwerchfell die Form einer kuppelförmigen Muskel-Sehnen-Platte. Sein mittlerer Anteil besteht aus einer kräftigen Sehnenplatte, dem sogenannten Centrum tendineum. Von dort ziehen die Muskelfasern strahlenförmig nach außen und setzen an den unteren Rippen, am Brustbein sowie an der Lendenwirbelsäule an. Dadurch verbindet das Zwerchfell den knöchernen Brustkorb unmittelbar mit der Wirbelsäule und schafft gleichzeitig den beweglichen Abschluss der Brusthöhle.

Bereits diese anatomische Verankerung macht deutlich, dass das Zwerchfell nicht isoliert arbeitet. Jede seiner Bewegungen beeinflusst gleichzeitig Rippen, Brustkorb, Lendenwirbelsäule, Bauchorgane und den gesamten Druckhaushalt zwischen Brust- und Bauchraum.

Während der Einatmung kontrahieren die Muskelfasern des Zwerchfells. Die Kuppel flacht sich dabei ab und senkt sich mehrere Zentimeter in Richtung Bauchhöhle. Dadurch vergrößert sich das Volumen des Brustkorbes. Gleichzeitig nimmt das Volumen des Bauchraumes geringfügig ab, da die Bauchorgane nach unten und nach außen verdrängt werden. Die Bauchdecke wölbt sich sichtbar vor. Dieser Vorgang wird häufig als Bauchatmung bezeichnet, obwohl sich in Wirklichkeit nicht der Bauch ausdehnt, sondern das Zwerchfell die Bauchorgane verlagert.

Beim Ausatmen entspannt sich das Zwerchfell wieder. Seine elastischen Eigenschaften sowie der Druck der Bauchorgane führen dazu, dass die Kuppel erneut nach oben steigt. Der Brustraum verkleinert sich, während sich der Bauchraum wieder entspannt. Diese rhythmische Bewegung wiederholt sich unzählige Male am Tag und setzt nahezu alle Organsysteme des Rumpfes in feine mechanische Bewegung.

Damit übernimmt das Zwerchfell weit mehr Aufgaben als lediglich die Belüftung der Lunge.

Seine Bewegungen verändern fortlaufend die Druckverhältnisse zwischen Brust- und Bauchraum. Diese Druckschwankungen wirken unmittelbar auf die großen venösen Gefäße. Während der Einatmung sinkt der Druck im Brustraum, während gleichzeitig der Druck im Bauchraum leicht ansteigt. Dadurch wird insbesondere der venöse Rückstrom über die untere Hohlvene zum rechten Herzen unterstützt. Die Atmung wirkt somit wie eine zusätzliche Pumpe des venösen Kreislaufs. Aus diesem Grund spricht man gelegentlich auch von der Atempumpe oder thorakoabdominalen Pumpe.

Gleichzeitig beeinflusst das Zwerchfell den Lymphstrom. Das Lymphsystem besitzt kein zentrales Pumporgan wie das Herz. Es ist deshalb in besonderem Maße auf äußere Bewegungen angewiesen. Die rhythmischen Druckveränderungen während der Atmung unterstützen den Transport der Lymphflüssigkeit aus Bauchraum und Beinen in Richtung Brustraum und schließlich zurück in den venösen Kreislauf. Tiefe, regelmäßige Atmung verbessert daher nicht nur die Belüftung der Lunge, sondern unterstützt auch den Flüssigkeitstransport zahlreicher Gewebe.

Auch die Bauchorgane selbst werden durch jede Atembewegung kontinuierlich bewegt. Leber, Magen, Milz, Darm, Bauchspeicheldrüse und Nieren verändern bei jeder Ein- und Ausatmung geringfügig ihre Lage. Diese Bewegungen erscheinen klein. Über Jahrzehnte summieren sie sich jedoch zu Millionen rhythmischer Verschiebungen. Dadurch werden Bindegewebe, Faszien, Gefäße und seröse Häute fortlaufend mechanisch beansprucht und bewegt.

Hinzu kommt die enge funktionelle Verbindung zwischen Zwerchfell und Rumpfmuskulatur. Gemeinsam mit der tiefen Bauchmuskulatur, den Rückenmuskeln und dem Beckenboden bildet das Zwerchfell ein komplexes Stabilisierungssystem des Körpers. Es reguliert den intraabdominalen Druck und trägt wesentlich zur Stabilisierung der Wirbelsäule bei. Jede Veränderung der Atemmechanik wirkt sich deshalb zugleich auf Körperhaltung, Gleichgewicht und Bewegungskoordination aus.

 

 

Diese Zusammenhänge erklären auch, weshalb langandauernde Veränderungen der Körperhaltung die Beweglichkeit des Zwerchfells beeinflussen können. Ein dauerhaft nach vorn geneigter Oberkörper, wie er beispielsweise bei stundenlanger Computerarbeit oder beim Radfahren häufig entsteht, verändert die räumliche Beziehung zwischen Brustkorb, Bauchorganen und Zwerchfell. 

Die Atembewegung wird oft flacher. Die Absenkung des Zwerchfells nimmt ab. Dadurch verändern sich nicht nur die Belüftung der Lunge, sondern auch die Druckverhältnisse im Brust- und Bauchraum sowie die mechanische Unterstützung des venösen und lymphatischen Rückstroms. Der Organismus kompensiert solche Veränderungen meist über lange Zeiträume erstaunlich gut. Dennoch zeigt sich hier, wie eng Haltung, Atmung, Kreislauf und Organbeweglichkeit miteinander verbunden sind.

Für meine eigenen Überlegungen gewann das Zwerchfell dadurch eine zusätzliche Bedeutung. Es trennt Brustraum und Bauchraum anatomisch deutlich voneinander. Gleichzeitig verbindet es beide Bereiche ununterbrochen miteinander. 

Es wirkt nicht wie eine starre Wand, sondern wie ein hoch beweglicher Beziehungsraum. Mit jedem Atemzug vermittelt es zwischen unterschiedlichen Druckräumen, Organen, Gefäßsystemen und Bewegungsabläufen. Seine Funktion besteht gerade darin, die Eigenständigkeit beider Räume zu erhalten und gleichzeitig ihre Zusammenarbeit zu organisieren.

Auch hier begegnet mir dieselbe Grundstruktur wie bereits bei der Pleura. Die eigentliche Leistung entsteht nicht ausschließlich in den beteiligten Organen. Sie entsteht innerhalb der organisierten Beziehung zwischen ihnen. Das Zwerchfell erscheint damit nicht nur als Atemmuskel, sondern als zentrales Regulationsorgan zwischen zwei großen Funktionsräumen des menschlichen Organismus. 

Es organisiert fortlaufend Aufnahme und Abgabe, Druckausgleich, Bewegung, Stofftransport und mechanische Kopplung. Dadurch wird es zu einem weiteren Beispiel dafür, dass Lebendigkeit nicht allein aus der Funktion einzelner Organe hervorgeht, sondern ebenso aus der Qualität der Beziehungen, die diese Organe miteinander verbinden.

Das Bauchfell als organisierter Beziehungsraum zwischen Organen und Bauchwand

Nach der Betrachtung von Pleura, Zwerchfell und Hirnhäuten führt der Blick in einen weiteren großen Funktionsraum des menschlichen Körpers: die Bauchhöhle. Auch hier zeigt sich dieselbe grundlegende Organisationsform. Die Bauchorgane liegen nicht unmittelbar an der Bauchwand oder ungeordnet nebeneinander. Sie sind von einem hoch spezialisierten Häutesystem umgeben, das ihre Beweglichkeit, Versorgung, gegenseitige Abgrenzung und Zusammenarbeit organisiert. Dieses System wird als Bauchfell oder Peritoneum bezeichnet.

Das Bauchfell gehört wie Pleura und Herzbeutel zu den serösen Häuten des Körpers. Es besteht aus einer dünnen Schicht spezialisierter Mesothelzellen, die auf feinem Bindegewebe liegen. Trotz seiner geringen Dicke bildet es eines der größten zusammenhängenden Organsysteme des menschlichen Körpers. Seine gesamte Oberfläche erreicht beim Erwachsenen etwa die Größe der Hautoberfläche.

Anatomisch unterscheidet man zwei Bereiche. Das parietale Peritoneum kleidet die Innenseite der Bauchwand aus. Es steht in enger Verbindung mit der Muskulatur, den Faszien und den knöchernen Strukturen des Rumpfes. Das viszerale Peritoneum überzieht dagegen die meisten Bauchorgane unmittelbar. Zwischen beiden Blättern befindet sich die Peritonealhöhle. Wie beim Pleuraspalt handelt es sich nicht um einen leeren Raum, sondern um einen äußerst schmalen Flüssigkeitsraum, der eine geringe Menge seröser Flüssigkeit enthält.

Diese Peritonealflüssigkeit wird kontinuierlich gebildet und wieder aufgenommen. Sie besteht überwiegend aus Wasser mit gelösten Elektrolyten, Proteinen, Immunzellen und weiteren Stoffwechselbestandteilen. Produktion und Resorption erfolgen über die feinen Blut- und Lymphgefäße des Bauchfells und befinden sich unter normalen Bedingungen in einem dynamischen Gleichgewicht. Die Flüssigkeit vermindert die Reibung zwischen den Organen erheblich und ermöglicht gleichzeitig ihre gegenseitige Verschieblichkeit.

Diese Beweglichkeit besitzt eine wesentlich größere Bedeutung, als zunächst vermutet werden könnte. Magen, Dünndarm, Dickdarm, Leber, Milz und zahlreiche weitere Organe verändern während jeder Körperbewegung ihre Lage geringfügig. Bereits ein tiefer Atemzug verschiebt Leber und Magen mehrere Zentimeter nach unten. Beim Ausatmen kehren sie wieder zurück. Während des Gehens, Laufens oder Bückens entstehen fortlaufend weitere Lageveränderungen. Hinzu kommen die Eigenbewegungen der Organe selbst. Der Darm führt ununterbrochen peristaltische Bewegungen aus. Der Magen verändert seine Form während der Verdauung. Die Harnblase füllt und entleert sich. Würden diese Organe unmittelbar aneinanderreiben, käme es innerhalb kurzer Zeit zu erheblichen Gewebeschäden. Erst die seröse Flüssigkeit und die glatte Oberfläche des Bauchfells ermöglichen diese lebenslange nahezu reibungsfreie Zusammenarbeit.

Das Bauchfell übernimmt jedoch weit mehr Aufgaben als die Verminderung mechanischer Reibung. Es bildet gleichzeitig ein hoch aktives Stoffwechselorgan. Seine Zellen tauschen kontinuierlich Wasser, Elektrolyte, Eiweiße und zahlreiche weitere Substanzen mit Blut und Lymphsystem aus. Dadurch beteiligt sich das Peritoneum unmittelbar an der Regulation des Flüssigkeitshaushaltes der Bauchhöhle. Ständig werden Stoffe aufgenommen, abgegeben und neu verteilt. Das Bauchfell bildet damit einen großflächigen Regulationsraum zwischen Organen, Blutgefäßen und Lymphsystem.

Von besonderer Bedeutung ist seine enge Verbindung zum Immunsystem. Über die gesamte Peritonealfläche verteilen sich zahlreiche Immunzellen, darunter Makrophagen, dendritische Zellen und verschiedene Lymphozyten. Sie überwachen fortlaufend die Bauchhöhle auf eindringende Mikroorganismen oder verletztes Gewebe. Gelangen Bakterien beispielsweise durch eine Darmverletzung in die Bauchhöhle, reagiert das Bauchfell innerhalb kurzer Zeit mit einer ausgeprägten Entzündungsreaktion. Diese sogenannte Peritonitis gehört zu den schwerwiegendsten akuten Erkrankungen der Bauchorgane und verdeutlicht, wie aktiv das Bauchfell an der Abwehr beteiligt ist.

Darüber hinaus besitzt das Peritoneum eine wichtige mechanische Organisationsfunktion. Zahlreiche Bauchorgane hängen nicht frei im Bauchraum, sondern werden durch doppelte Bauchfellfalten miteinander verbunden. Zu diesen Strukturen gehören insbesondere das Mesenterium sowie das große und kleine Netz, Omentum majus und Omentum minus. Diese Bauchfellfalten enthalten Blutgefäße, Lymphbahnen, Nerven und Fettgewebe. Sie verbinden die Organe nicht nur miteinander, sondern sichern gleichzeitig ihre Beweglichkeit und Versorgung.

Das Mesenterium des Dünndarms liefert hierfür ein anschauliches Beispiel. Es befestigt den mehrere Meter langen Dünndarm an der hinteren Bauchwand, ohne seine Beweglichkeit einzuschränken. Gleichzeitig verlaufen in ihm sämtliche Arterien, Venen, Lymphgefäße und Nerven, welche den Darm versorgen. 

 

Der Darm besitzt dadurch einerseits einen festen Bezugspunkt im Körper und bleibt andererseits ausreichend beweglich, um seine Verdauungsfunktion auszuführen. Stabilität und Beweglichkeit werden innerhalb derselben anatomischen Struktur miteinander verbunden.

Auch das große Netz erfüllt bemerkenswerte Aufgaben. Es hängt wie eine bewegliche Schürze vor den Darmschlingen und enthält reichlich Fettgewebe sowie zahlreiche Immunzellen. Bei Entzündungen innerhalb der Bauchhöhle kann sich das große Netz gezielt an entzündete Bereiche anlagern und sie teilweise von der übrigen Bauchhöhle abgrenzen. Es übernimmt dadurch eine aktive Rolle bei der lokalen Begrenzung entzündlicher Prozesse. Seine Funktion besteht somit nicht nur im Schutz oder in der Fettspeicherung, sondern ebenso in der Organisation innerer Abwehrreaktionen.

 

Während der letzten Jahre gewann auch das Bauchfell im Zusammenhang mit den Faszien zunehmend wissenschaftliches Interesse. Seine feinen Bindegewebsschichten stehen mit den faszialen Strukturen der Bauchwand, des Zwerchfells und zahlreicher Organe in kontinuierlicher Verbindung. Mechanische Kräfte werden dadurch nicht isoliert übertragen, sondern verteilen sich über großflächige Gewebenetzwerke. Jede Bewegung des Rumpfes, jede Atembewegung und jede Veränderung der Körperhaltung beeinflusst somit gleichzeitig zahlreiche Bauchfellstrukturen.

Für meine eigene Forschungsarbeit wurde damit erneut ein grundlegendes Organisationsprinzip sichtbar. Das Bauchfell trennt Organe voneinander und verbindet sie gleichzeitig. Es schafft Beweglichkeit, ohne die Stabilität aufzugeben. Es organisiert Stofftransport, Immunabwehr, Flüssigkeitsregulation, Gefäßversorgung und mechanische Kopplung innerhalb eines gemeinsamen Funktionsraumes. Seine eigentliche Leistung besteht nicht darin, selbst ein Verdauungsorgan zu sein. Seine Leistung besteht darin, die Zusammenarbeit vieler verschiedener Organe dauerhaft zu organisieren.

Auch hier begegnet dieselbe Grundstruktur wie bereits bei der Pleura und den Hirnhäuten. Zwischen den beteiligten Organen entsteht ein eigener biologischer Organisationsraum. Dieser Raum besitzt spezifische Aufgaben, eigene Stoffwechselprozesse und eigene Regulationsmechanismen. Er ist weder dem einen noch dem anderen Organ vollständig zuzuordnen. Seine Funktion liegt gerade im Dazwischen.

Diese Betrachtungsweise führte meine Aufmerksamkeit erneut auf einen Gedanken, der für Conexyy zunehmend an Bedeutung gewann. Der Organismus organisiert seine Lebendigkeit nicht ausschließlich durch spezialisierte Einzelorgane. Er organisiert sie ebenso durch hoch differenzierte Beziehungsräume zwischen diesen Organen. Die eigentliche Dynamik entsteht fortlaufend innerhalb dieser Zwischenräume. Dort werden Bewegungen vermittelt, Stoffe ausgetauscht, Druckverhältnisse reguliert, Informationen weitergegeben und funktionelle Zusammenhänge aufrechterhalten. Der Beziehungsraum erscheint damit nicht mehr als bloße Verbindung zweier Systeme, sondern als eigenständiger biologischer Organisationsraum mit unverzichtbaren Aufgaben für die Lebendigkeit des gesamten Organismus.

Die Hirnhäute als organisierter Beziehungsraum zwischen Gehirn und Schädel

Die Betrachtung der Pleura und des Zwerchfells führte zu einer weiteren anatomischen Struktur, die den Gedanken organisierter Beziehungsräume in besonderer Weise verdeutlicht: den Hirnhäuten. Auch hier zeigt sich, dass der Organismus zwei funktionell sehr unterschiedliche Bereiche nicht unmittelbar aufeinandertreffen lässt. Zwischen Gehirn und Schädel befindet sich ein hoch differenziertes System mehrerer Häute, Flüssigkeitsräume, Blutgefäße und Bindegewebsstrukturen. Diese übernehmen weit mehr Aufgaben als einen bloßen mechanischen Schutz. Sie organisieren den fortlaufenden Austausch zwischen Gehirn und seiner unmittelbaren Umgebung und schaffen gleichzeitig stabile Voraussetzungen für die außergewöhnlich empfindliche Funktion des zentralen Nervensystems.

Das Gehirn gehört zu den stoffwechselaktivsten Organen des menschlichen Körpers. Obwohl es nur etwa zwei Prozent des Körpergewichts ausmacht, verbraucht es ungefähr zwanzig Prozent des gesamten Sauerstoffs und einen erheblichen Anteil der verfügbaren Glukose. Nervenzellen reagieren bereits nach wenigen Minuten ohne ausreichende Sauerstoffversorgung mit bleibenden Schäden. Gleichzeitig besitzen sie nur sehr begrenzte Energiereserven. Das Gehirn benötigt deshalb eine außerordentlich präzise organisierte Versorgung sowie einen ebenso zuverlässigen Abtransport von Stoffwechselprodukten.

Zwischen Gehirn und Schädel liegen drei Hirnhäute, die gemeinsam als Meningen bezeichnet werden. Sie unterscheiden sich deutlich in Aufbau und Funktion und bilden zusammen einen hoch spezialisierten Beziehungsraum.

Die äußerste Schicht ist die harte Hirnhaut, die Dura mater. Sie besteht aus straffem kollagenem Bindegewebe und liegt der Innenseite des Schädels eng an. Im Schädel bildet sie gleichzeitig die innere Knochenhaut. Ihre hohe Festigkeit schützt das Gehirn vor mechanischen Belastungen und verankert es innerhalb der Schädelhöhle. Gleichzeitig bildet sie zahlreiche innere Falten, beispielsweise die Großhirnsichel (Falx cerebri) oder das Kleinhirnzelt (Tentorium cerebelli). Diese Strukturen unterteilen die Schädelhöhle in funktionelle Räume und begrenzen übermäßige Bewegungen des Gehirns bei Beschleunigungen oder Erschütterungen.

Zwischen den beiden Blättern der Dura verlaufen die venösen Blutleiter, die sogenannten Sinus durae matris. Sie sammeln das venöse Blut des Gehirns und leiten es in die großen Halsvenen weiter. Gleichzeitig nehmen sie einen erheblichen Teil der Gehirnflüssigkeit auf. Bereits hier zeigt sich, dass die Dura nicht lediglich eine schützende Hülle darstellt. Sie ist zugleich Teil des venösen Kreislaufs und des Flüssigkeitsstoffwechsels des Gehirns.

Unter der Dura liegt die Arachnoidea, die Spinngewebshaut. Sie ist wesentlich feiner aufgebaut und überspannt das Gehirn wie ein lockeres Netz. Zwischen ihr und der darunterliegenden weichen Hirnhaut befindet sich der Subarachnoidalraum. Dieser Raum enthält den Liquor cerebrospinalis, die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit.

Der Liquor besteht überwiegend aus Wasser mit gelösten Elektrolyten, Glukose, Proteinen und weiteren Stoffwechselbestandteilen. Er wird hauptsächlich in den Plexus choroidei der Hirnventrikel gebildet und zirkuliert kontinuierlich durch das gesamte Ventrikelsystem sowie den Subarachnoidalraum um Gehirn und Rückenmark. Von dort gelangt er über spezielle Ausstülpungen der Arachnoidea, die Arachnoidalzotten, wieder in die venösen Blutleiter der Dura. Produktion und Rückresorption stehen unter normalen Bedingungen in einem fein regulierten Gleichgewicht.

Der Liquor erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig. Er vermindert die mechanische Belastung des Gehirns erheblich. Obwohl das Gehirn etwa eineinhalb Kilogramm wiegt, wirkt durch den Auftrieb des Liquors nur noch ein geringer Teil dieses Gewichtes auf die darunterliegenden Strukturen. Dadurch werden empfindliche Nervengewebe vor dauerhaftem Druck geschützt. Gleichzeitig dient der Liquor als Transportmedium für Nährstoffe, Botenstoffe und Stoffwechselprodukte. Er trägt wesentlich dazu bei, die chemische Umgebung der Nervenzellen konstant zu halten.

Die innerste Hirnhaut bildet die Pia mater. Sie liegt der Oberfläche des Gehirns unmittelbar an und folgt jeder Windung sowie jeder Furche des Groß- und Kleinhirns. Gemeinsam mit den feinsten Blutgefäßen bildet sie die direkte Grenzschicht zwischen Nervengewebe und den umgebenden Flüssigkeitsräumen. Über ihre Gefäße gelangen Sauerstoff und Nährstoffe in das Gehirn, während Stoffwechselprodukte wieder abtransportiert werden. Die Pia mater begleitet außerdem zahlreiche Gefäße beim Eintritt in das Gehirngewebe und bildet damit einen wichtigen Bestandteil der Versorgung des zentralen Nervensystems.

Die drei Hirnhäute arbeiten nicht unabhängig voneinander. Erst ihr gemeinsames Zusammenwirken ermöglicht den Schutz, die Versorgung und die Regulation des Gehirns. Zwischen Schädel und Nervengewebe entstehen dadurch mehrere funktionell unterschiedliche Grenzräume, in denen mechanische Kräfte abgefangen, Flüssigkeiten bewegt, Stoffe transportiert und Druckverhältnisse ausgeglichen werden. Das Gehirn arbeitet daher nicht unmittelbar gegen den Schädel, sondern innerhalb eines hoch organisierten Systems mehrerer Beziehungsräume.

 

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der erst in den letzten Jahren zunehmend untersucht wird. Entlang der Hirnhäute verlaufen zahlreiche Lymphgefäße, die lange Zeit übersehen wurden. Sie stehen mit dem sogenannten glymphatischen System des Gehirns in Verbindung, einem Netzwerk, das vor allem während des Schlafes den Abtransport von Stoffwechselprodukten unterstützt. Dabei wird Gehirnflüssigkeit durch das Nervengewebe geleitet und nimmt Abbauprodukte auf, die anschließend über perivaskuläre Räume und meningeale Lymphgefäße aus dem Schädel abtransportiert werden. Dieser Prozess gilt heute als wichtiger Bestandteil der nächtlichen Regeneration des Gehirns und wird unter anderem im Zusammenhang mit altersbedingten neurodegenerativen Erkrankungen intensiv erforscht.

Auch mechanisch befindet sich das Gehirn keineswegs in einem starren Zustand. Mit jedem Herzschlag entstehen feine Pulsationen der Hirngefäße. Jede Atembewegung verändert den venösen Rückstrom aus dem Schädel geringfügig. Gleichzeitig schwankt der Liquordruck rhythmisch mit Herzschlag und Atmung. Diese Bewegungen sind klein, erfolgen jedoch ununterbrochen und beeinflussen den gesamten Flüssigkeitshaushalt innerhalb der Schädelhöhle. Selbst das Gehirn befindet sich somit in einem fortlaufenden pulsierenden Austausch mit seinen umgebenden Beziehungsräumen.

Für meine eigenen Überlegungen erhielt diese anatomische Organisation eine besondere Bedeutung. Das Gehirn erscheint häufig als Zentrum des Denkens und Bewusstseins. Anatomisch arbeitet es jedoch niemals isoliert. Zwischen ihm und seiner knöchernen Umgebung liegt kein leerer Zwischenraum, sondern ein hoch differenziertes System mehrerer Grenzschichten. Diese Schichten schützen nicht nur das Gehirn, sondern organisieren fortlaufend Versorgung, Entsorgung, Druckregulation, Flüssigkeitsbewegung, Stofftransport und mechanische Entlastung.

Damit begegnet mir dieselbe Grundstruktur wie bereits bei der Pleura und beim Zwerchfell. Die eigentliche Funktion entsteht nicht allein in den beteiligten Organen. Sie entsteht ebenso innerhalb der organisierten Beziehungen zwischen ihnen. Die Hirnhäute bilden deshalb weit mehr als schützende Umhüllungen. Sie stellen einen eigenständigen Funktionsraum dar, der Gehirn und Schädel miteinander verbindet, voneinander trennt und gleichzeitig ihre fortlaufende Zusammenarbeit organisiert.

Für Conexyy gewann diese Betrachtungsweise grundsätzliche Bedeutung. Sie lenkte meinen Blick erneut darauf, dass der Organismus seine Lebendigkeit nicht allein durch spezialisierte Organe organisiert. Ebenso bedeutsam sind die Grenzräume zwischen ihnen. Sie bilden keine passiven Zwischenbereiche, sondern hoch aktive Regulationsräume. In ihnen werden Stoffe aufgenommen und abgegeben, Kräfte ausgeglichen, Flüssigkeiten bewegt und Informationen weitergeleitet. Aus dieser Perspektive erscheinen Beziehungen nicht mehr lediglich als Verbindung zwischen zwei bereits vorhandenen Systemen. Sie werden selbst zu eigenständigen biologischen Organisationsformen.

 

Nervenhüllen als organisierte Beziehungsräume zwischen Nerv und Umgebung

Die bisherigen Beispiele zeigen ein wiederkehrendes Organisationsprinzip. Zwischen zwei funktionell unterschiedlichen Bereichen bildet der Organismus nicht einfach eine Grenze, sondern einen hoch spezialisierten Beziehungsraum. Dieses Prinzip findet sich nicht nur bei großen Organsystemen wie Lunge, Gehirn oder Bauchraum. Es setzt sich bis in den mikroskopischen Aufbau der Nerven fort.

Nerven erscheinen auf den ersten Blick als einfache Leitungsbahnen für elektrische Signale. Tatsächlich besitzen sie jedoch einen außerordentlich komplexen Aufbau. Ein Nerv besteht nicht aus einem einzelnen Nervenfaden, sondern aus vielen tausend Nervenfasern, die gemeinsam zu Nervenbündeln zusammengefasst sind. Jede dieser Fasern muss mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, vor mechanischer Belastung geschützt und gleichzeitig beweglich gegenüber ihrer Umgebung gehalten werden. Auch hier löst der Organismus diese Aufgabe nicht durch eine einzige Hülle, sondern durch mehrere aufeinander abgestimmte Organisationsschichten.

Die kleinste funktionelle Einheit ist die einzelne Nervenfaser. Sie besteht aus dem Fortsatz einer Nervenzelle, dem Axon. Viele Axone sind zusätzlich von einer Myelinscheide umgeben, die überwiegend von Schwann-Zellen gebildet wird.

Diese Myelinschicht wirkt elektrisch isolierend und ermöglicht eine erheblich schnellere Weiterleitung von Nervenimpulsen. Gleichzeitig schützt sie die empfindliche Nervenfaser vor äußeren Einflüssen.

Jede einzelne Nervenfaser wird von einer feinen Bindegewebsschicht umgeben, dem Endoneurium. Dieses Gewebe enthält feine Kollagenfasern, Kapillaren, Lymphwege und Zellen des Immunsystems. Es versorgt die einzelnen Nervenfasern mit Sauerstoff und Nährstoffen und ermöglicht gleichzeitig den Stoffaustausch mit der Umgebung. Das Endoneurium ist daher weit mehr als eine mechanische Umhüllung. Es bildet den unmittelbaren Beziehungsraum zwischen jeder einzelnen Nervenfaser und ihrem versorgenden Gewebe.

Mehrere Nervenfasern werden anschließend zu einem Nervenfaserbündel zusammengefasst. Dieses Bündel wird vom Perineurium umschlossen. Das Perineurium besitzt eine besondere Bedeutung, weil seine spezialisierten Zellschichten eine kontrollierte Barriere bilden. Ähnlich wie die Blut-Hirn-Schranke reguliert es den Stoffaustausch zwischen dem Inneren des Nervenbündels und dem umgebenden Gewebe. Nicht jede Substanz kann diese Schicht ungehindert passieren. Dadurch bleibt das chemische Milieu innerhalb des Bündels außerordentlich stabil. Gleichzeitig schützt das Perineurium die empfindlichen Nervenfasern vor Druckschwankungen und mechanischen Belastungen.

Mehrere solcher Bündel werden schließlich zum eigentlichen Nerv zusammengefasst. Seine äußere Hülle bildet das Epineurium. Es besteht aus kräftigem kollagenem Bindegewebe und enthält die größeren Blutgefäße und Lymphgefäße, welche den gesamten Nerv versorgen. Gleichzeitig verankert das Epineurium den Nerv locker in seiner Umgebung, ohne seine Beweglichkeit einzuschränken.

Diese Beweglichkeit besitzt im Alltag eine erhebliche Bedeutung. Nerven liegen nicht starr im Körper. Bei jeder Bewegung eines Gelenkes verändern sie ihre Lage. Sie gleiten gegenüber Muskeln, Sehnen, Faszien und Knochen um mehrere Millimeter bis Zentimeter. Gleichzeitig werden sie leicht gedehnt oder wieder entlastet. Der Organismus verhindert dabei, dass übermäßige Zug- oder Druckkräfte unmittelbar auf die empfindlichen Nervenfasern übertragen werden. Die verschiedenen Hüllschichten verteilen mechanische Belastungen auf größere Bereiche und ermöglichen ein kontrolliertes Gleiten innerhalb des umliegenden Gewebes.

Dieses Gleitverhalten lässt sich besonders gut am Ellbogen beobachten. Der Nervus ulnaris verläuft hinter dem inneren Knochenvorsprung des Oberarmes durch eine relativ enge Rinne. Beim Beugen des Ellbogens verändert sich seine Lage erheblich. Gleichzeitig wird der Nerv gedehnt und verschoben. Erfolgen diese Bewegungen über viele Jahre nur eingeschränkt oder kommt es durch Narben, Entzündungen oder Bindegewebsveränderungen zu einer verminderten Verschieblichkeit, können Druck und Reibung auf den Nerv zunehmen. Daraus können Taubheitsgefühle oder Kraftverluste insbesondere des Ring- und Kleinfingers entstehen. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass die Funktion eines Nervs nicht allein von seiner elektrischen Leitfähigkeit abhängt. Ebenso wichtig ist seine mechanische Beziehung zur Umgebung.

Auch innerhalb der Hüllschichten finden fortlaufend Stoffwechselprozesse statt. Blutgefäße transportieren Sauerstoff und Nährstoffe heran. Stoffwechselprodukte werden über Venen und Lymphgefäße wieder abtransportiert. Bindegewebszellen erneuern kontinuierlich Bestandteile der extrazellulären Matrix. 

 

Immunzellen überwachen das Gewebe auf Verletzungen oder Infektionen. Die Nervenhüllen befinden sich damit in einem ständigen Zustand biologischer Erneuerung. Sie sind keine statischen Schutzschichten, sondern lebendige Regulationsräume.

Hinzu kommt ihre enge Verbindung zum faszialen Gesamtsystem des Körpers. Das Epineurium geht an zahlreichen Stellen nahezu kontinuierlich in umgebende Faszien über. Dadurch werden Bewegungen des gesamten Bewegungsapparates auf die Nerven übertragen und umgekehrt. Muskelspannung, Gelenkbeweglichkeit und fasziale Elastizität beeinflussen somit auch die mechanischen Bedingungen, unter denen Nerven arbeiten. Die Funktion eines Nervs lässt sich deshalb nicht vollständig verstehen, wenn ausschließlich seine elektrische Signalweiterleitung betrachtet wird.

Für meine eigenen Überlegungen ergab sich daraus erneut dieselbe Grundstruktur, die bereits bei Pleura, Hirnhäuten und Bauchfell sichtbar geworden war. Der Nerv arbeitet nicht isoliert innerhalb des Körpers. Zwischen Nerv und Umgebung existiert ein mehrschichtiger Beziehungsraum mit genau definierten Aufgaben. Er schützt den Nerv, versorgt ihn, reguliert den Stoffaustausch, verteilt mechanische Belastungen und erhält seine Beweglichkeit. Erst durch diese organisierte Beziehung kann die eigentliche Leitungsfunktion dauerhaft aufrechterhalten werden.

Besonders bemerkenswert erscheint dabei, dass dieselben Grundprinzipien immer wieder auftreten. Die verschiedenen Hüllschichten trennen unterschiedliche Funktionsbereiche voneinander und verbinden sie gleichzeitig. Sie schaffen Stabilität, ohne die notwendige Beweglichkeit aufzugeben. Sie regulieren Aufnahme und Abgabe von Stoffen, verteilen Kräfte, ermöglichen Kommunikation und erhalten die Eigenständigkeit der beteiligten Strukturen.

Mit jeder weiteren anatomischen Betrachtung verdichtete sich dadurch ein Eindruck, der für meine weitere Arbeit mit Conexyy von grundlegender Bedeutung wurde. Der Organismus organisiert seine Funktionen nicht nur innerhalb einzelner Organe oder Gewebe. Er organisiert sie ebenso innerhalb hoch differenzierter Beziehungsräume zwischen diesen Strukturen. Diese Beziehungsräume besitzen eine eigene Anatomie, eine eigene Physiologie und eigene Regulationsmechanismen. Sie sind keine nebensächlichen Verbindungsstücke, sondern unverzichtbare Bestandteile der biologischen Gesamtorganisation.

Aus dieser Perspektive erscheint der menschliche Organismus als ein Netzwerk ineinandergreifender Funktions- und Beziehungsräume. Lebendigkeit entsteht nicht allein durch die Tätigkeit einzelner Zellen, Organe oder Nerven. Sie entsteht ebenso durch die fortlaufende Organisation der Beziehungen zwischen ihnen. Diese Erkenntnis bildete für mich einen weiteren Baustein auf dem Weg von der biologischen Betrachtung des Organismus zur bewussten Beziehungsgestaltung in Conexyy.

 

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.